Dienstag, 8. November 2011

Konsum im 21. Jahrhundert

Ich arbeite in einem konsumkritischen Umfeld. Ein nicht unerheblicher Teil der Nachhaltigkeitsforschung handelt vom Wandel nicht-nachhaltiger Lebensstile. Ernährung gehört für mich zentral dazu. Aber wir konsumieren ja nicht nur Erdbeeren (im November), Kartoffeln (aus Ägypten), Putenbrust (für 0,99 €) und Analogkäse (iiihhh). Ein Gutteil unseres Konsums besteht aus Gebrauchswaren (inklusive Elektronika) und, klar, Kleidung.

Ich selbst bin, was Konsum angeht, selbst ausgesprochen ambivalent und lebe alles andere als wirklich nachhaltig. Zu wissen, dass man den ganzen Kram eigentlich nicht braucht und man zu ressourcenintensiv lebt und mit seinem Konsumverhalten strukturell Einfluss nimmt auf Lebens- und Arbeitsweisen von Menschen am anderen Ende der Welt führt natürlich nicht unmittelbar zu einem radikal anderen, nachhaltigen Konsum.

Da ist es gut, wenn man Zeitung liest und so mal wieder zum Nachdenken gebracht wird.

Dieser Artikel hat mich auf die Seite alibaba.com aufmerksam gemacht - eine Plattform des globalisierten Tinnefhandels. Die Margen die angeboten werden bewegen sich im 1000er oder 10.000 Bereich, die Preise eher in cent. Kreisch!

Dazu passend ein nüchtern, anschauliches und sehr lesenswertes Portrait einer jungen Kambodschanerin die für einen Hungerlohn Kleidung für H&M und Co. näht - buchstäblich bis zum Umfallen. (Ich pinne den Artikel mal in der Leiste rechts fest.)

Vielleicht interessiert er ja den einen oder die andere aus der DIY-Welt.

Melleni

Kommentare:

  1. Danke, das Du diesen Artikel mit uns teilst. Ja, das beschäftigt mich auch immer. Ob Nahrungsmittel, oder sonstige Dinge, die wir (meinen) fürs Leben zu brauchen. Auch ein hoher Preis schützt nicht, Benneton oder andere "hochwertige" Marken produzieren im gleichen Werk, fürs gleiche Geld, mit den gleichen Stoffen ohne Rücksicht auf Umwelt oder Produzierende. Die einen machen mehr Masse, die anderen "Exklusivität", der Gewinn bleibt wahrscheinlich gleich. Gerade bei uns "Näherinnen" ist der Ursprung der "Zutaten" besonders unklar. Und mit Familie ist leider ein hundertproztentig gutes Gewissen nicht bezahlbar. Was soll man tun? Wir freuen uns doch alle über solche Märkte wie am Maybachufer, wo man für Stöffchen so unsagbar wenig bezahlt.
    Wie könnte das Bewußtsein der Kapitalisten dahingehend modifiziert werden, das sie nicht um jeden Preis maximierten Gewinn machen wollen? Große Revolutionsfragen......
    Nachdenken, Verhalten überdenken, etwas ändern...jeder für sich, ein bißchen , jeden Tag..
    Lg, Sabine

    AntwortenLöschen
  2. Danke für die Artikel. Suschna schreibt heute über die Globalisierung des Mülls - eine weitere Facette der Konsumgesellschaft.
    Ich hatte vor kurzem ein Aha-Erlebnis, nein eigentlich zwei, wir haben in Bochum ein Klamottengeschäft, dass faire und biologische modische Kleidung vertreibt. Das zeigt einem, wie groß die Preisspannen der "Markentextilhersteller" sein müssen, die Oberteile liegen dort maximal 10 Euro über den Preisen von esprit, S. Oliver und UNTER denen von Lacoste, Hilfiger etc. Gewaltig... und dann hörte ich über Bekannte, dass zalando seine Retourenwaren nach Osteuropa verkauft, für unter 2 Euro das Paar und dennoch ohne Verlust! Das hat mich wirklich sprachlos gemacht!

    Danke auf jeden Fall für deine Anregung zum Nachdenken. Man darf sich auch nicht zu oft erlauben, das eigentlich vorhandene Wissen um sowas zu weit wegzuschieben...

    AntwortenLöschen
  3. Auch ich frage mich immer, wie ich mit meinem Konsumverhalten Einfluss auf solche Dinge nehmen kann. Leider wird mir immer wieder klar, wie begrenzt meine Möglichkeiten da sind. Das Problem liegt ja nicht nur in der Produktion von Waren. Auch die Nutzung von Agrarflächen durch die Industrie ist ein Riesenthema. Ich stehe immer wieder fassungslos vor solchen Berichten. Nachhaltigkeit scheitert auch bei mir oft an der kleinen Geldbörse. Aber ich versuche es immer. Manchmal habe ich aber Zweifel, ob man den Handel überhaupt zum Nachdenken bewegen kann. Aber ich bleibe am Ball.

    AntwortenLöschen
  4. Auch second hand ist nicht frei von Sorgen:
    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/36528
    Und auch sogenannten Bio-Herstellern ist nicht immer zu trauen und viele sind extrem teuer. Aber auch ich versuch im Alltag meine "Produkte" daraufhin auszuwählen. Aber es ist soo anstrengend, kostet mehr Zeit und mehr Geld. Weniger Konsumieren, dafür nur das "richtige", wer kann das? Schwer!

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Melleni,

    danke für diesen Post, ich hab ihn seit gestern bestimmt dreimal gelesen! "Nachhaltigkeit" ist bei uns auch ein großes Thema geworden und dass besonders, seit die Kinder da sind (...ich weiß, voll das Klischee...). Aber irgendwie ist mir seitdem doch erst so richtig klar geworden, dass ich hier nur "Gast" bin und ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten gefälligst bemühen sollte, ja eigentlich sogar verpflichtet bin, mich hier so "anständig" wie möglich zu verhalten. Das ist schwierig und gelingt mir nichtmal ansatzweise in dem Maße, in dem ich es mir wünschen würde, denn es betrifft sooooviele Bereiche des täglichen Lebens. Und dafür rutscht es auch im täglichen Chaos zu oft in den Hintergrund. Aber immerhin hat sich bei uns in bestimmten Bereichen in den letzten Jahren doch deutlich etwas verändert. Kleine Schritte. Für mein Gewissen. Und für meine Jungs. Danke für den Erinnerungs-Anstupser!

    Liebe Grüße
    Hella

    AntwortenLöschen
  6. Danke für Deinen Artikel. Die verlinkten Zeitungartikel haben mich mal wieder zum Nachdenken gebracht. Von einer Freundin, die als PR-Frau versucht große Medien für Entwicklungshilfe zu begeistern, weiß ich, dass das Thema nicht leicht unter zu bringen ist.
    Und ich selbst habe ein paar Marken, die ich nicht anrühre, weil ich von konkreten Geschichten weiß, aber ertappe mich immer wieder selbst dabei in die Billig-Falle zu treten, bloß weil ich noch von keinem konkreten Fall gehört habe.
    Boykott ist gut und machtvoll. Daran glaube ich und versuche mich nach weniger ist mehr zu halten, um mir nachhaltig und lokal produziertes wenigstens manchmal leisten zu können.

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Mellni,

    ich bin zwar sehr spät dran mit meinem Kommentar aber ich würde gerne noch sagen, dass mir dein Post sehr gut gefallen hat.

    Ich, für mich selber, finde es nicht gerade leicht mir klar zu machen was ich alles eigentlich nicht brauche. Vieles wird im Nachinein betrachte unnötig angeschafft. Ich glaube in diesem Bereich könnte noch sehr viel verbessert werden.

    Mit den Nahrungsmittel hast Du Recht, warum sollten diese eine so lange Strecke bis zu uns zurück legen und die Menschen vor Ort hungern evtl. Ich denke etwas mehr regionales Essen würde uns nicht schade. Ich bin jetzt schon mal gespannt wie ich den Winter mit regionalen / deutschen Gemüse schaffe. Letztes Jahr lief es eigentlich sehr gut und habe einige sehr interessante (alte) Rezepte wieder gefunden.

    Lieber Gruß, Muriel

    AntwortenLöschen