Dienstag, 11. Dezember 2012

Schon gehört?

Stoff und Stil senkt das Porto. Ein längst überfälliger Schritt, war das bislang hohe Porto - aus meiner Sicht - ein echtes Bestellhemmnis. So rein psychologisch. Das nahm hier schon etwas absurde Züge an. Ich erinnere mich, dass wir Berlinerinnen einmal eine Gruppenbestellung aufgegeben haben und Catherine am Ende eine absurd hohe Rechnung im mittleren dreistelligen Bereich wuppen musste. 

Mit 4,95 € befindet sich der Versand nun im gefühlten Normbereich.Vermutlich überkompensiert man das zukünftig durch entsprechend häufigere Einkäufe. Geschickt eingefädelt.

*Ende der Werbepause*

Montag, 10. Dezember 2012

Wochenrückblick KW - Advent, Advent


Passend zum Advent, Dezember und den Blick aus dem Fenster: Winter-Weihnachtsplatte von Scala and the Kolacny Brothers. Und weil es so schön ist auch noch das Radiohead-Cover:


[GEFREUT1] Meine Mama hat eine OP sehr gut überstanden. Auch wenn es nur ein Routineeingriff war: Ich war so froh, als alles vorbei war.

[GEFREUT2] Über den Erfolg der MMM-Spendenaktion. Zur Zeit stehen wir bei gut 2.300 € - wir hielten 1.000 für illusorisch! - und damit können jetzt schon fast 12 Frauen zur Näherin ausgebildet werden. Ist das nicht unglaublich? Und das Beste: es geht weiter! Bis zum 20. kann noch gespendet werden.

[GEÄRGERT] Jedes Wochenende freue ich mich über das Magazin der Berliner Zeitung. Ich lese fast jedes Wort und freue mich immer, den ein oder anderen wirklich lesenswerten Artikel zu finden, den ich hier verlinken und empfehlen kann. Damit ist jetzt Schluss. Nachdem ich mehrfach Sonntag abends wie blöd nach den Artikeln gesucht habe, habe ich die Online-Redaktion angeschrieben. Diese hat mir mitgeteilt, dass das digitale Magazin ab sofort nur noch iPod-Kunden zur Verfügung steht.

Es tut mir so leid! Ich werde mich natürlich weiterhin bemühen, spannenden Lesestoff zu finden, aber diese wunderbare Quelle ist nun versiegt.

[GEÄRGERT2] Über das Verkehrsverhalten der Berliner. An einem x-beliebigen Mittwoch hab ich innerhalb einer halben Stunde drei wirklich heikle Situationen gesehen, die alle echt übel hätten enden können.

Das ätzendste: Beim Wintereinbruch am Freitag sehe ich zuerst einen Vater mit Kind auf dem Fahrrad auf dem sehr glatten Bürgersteig fahren - mit Laufrad irgendwo hingeklemmt. Aber wirklich völlig unverantwortlich: Die Mutter, die um 5 - also in absoluter Dunkelheit - mit Kind, ohne Licht (!!!) über die Straße fährt als wenn nichts wäre. Ich könnte k...

[GEKOCHT] Neuentdeckung: Veggi-Frikassee, Milchreis, Möhrenrohkost, überbackene Chamignons und Rotkohlrohkost, Tütensuppe :-), Spiegelei mit Rosenkohl...

[GEBASTELT] Adventssterne!

[GENÄHT] Das Weihnachtskleid - fast fertig!

[GESEHEN] Ganz zufällig - wie immer - beim Sport reingezappt: In die  NDR-Dokumentation: Stoffe, Schnitte und Visionen über Designer und Modelabels in Hamburg. Es werden 5 oder 6 Designer portraitiert, etablierte und ganz junge, Künstler und Penible. Man bekommt einen guten Einblick und Eindruck in dieses Haifischbecken. Besonders interessant fand ich die junge Designerin, die "privat" Vegetarierin ist und auf der Suche nach Leder von glücklichen Kühen auf einem Demeterhof fündig wird. Sie ist 26 und präsentiert zum 2. oder 3. mal ihre Kollektion auf der Fashionweek (in Berlin, denke ich). Sie näht alles selbst, je Kollektion 140 Stücke (wenn ich nicht irre...) und das zweimal pro Jahr. Hammer!

[GEPLANT] Die Pläne sind abgespeckt, den Mei Tai zur Geburt meines ersten Neffen oder Nichte kann ich nach der Geburt noch nähen und ich brauche keinen Rock mehr vor Weihnachten... jetzt nur noch zwei Weihnachtsgeschenke und - vielleicht - Kleider für die Kinder. Das sollte doch zu schaffen sein...

[GELESEN] 
Ein überraschendes Interview mit Larry Hagman, der grüne J.R.

Den VCD-Bahntest, der erstaunlicherweise (oder auch nicht) belegt, dass die Bahn praktisch immer günstiger ist als das Flugzeug: hier und hier

Über das (hoffentlich) baldige Ende der PKV und die Frage Made in Bangladesch: Kaufen oder nicht im aktuellen Freitag.

Und - last but noch least - über Nachtmilch die neuerdings in Kreuzberg vertickt wird. Aufgrund des nächtlichen Melkens ist in der Milch ein deutlich höherer Melatonin-Wert als in normaler Milch. Dieses Schlafhormon soll gestresste Großstädter besser schlafen lassen. Wahrscheinlich werden genug Leute bereit sein, 2,80 € pro Viertelliter (!) zu bezahlen - während sie die normal Milch zum skandalösen Schnäppchenpreis kaufen und die Milchbauern gerade einmal um die 30ct bekommen - zum leben zu wenig und zum sterben zu viel.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Weihnachtskleid Sew Along: Teil 3



Jippieh, ich bin beim dritten WSA-Termin von Katharina wieder dabei. Bis vor knapp einer Stunde sah es nicht danach aus. Ich hab mein Kontingent bei blogger überschritten und kann seit zwei Wochen keine Fotos mehr hochladen. Das macht mich sehr traurig. 
Von einem Magen-Darm-Virus lahmgelegt (nicht ich, sondern L2) saß ich gestern den ganzen Samstag hier und versuchte verschiedene Varianten, die mir freundlicherweise von Meike und Lucy vorgeschlagen und von Pitti empfohlen wurden. Ich will hier jetzt niemanden mit meinem Unvermögen langweilen, aber bislang war weder die Variante: "Ich downsize alle Fotos meines Blogs bei picasa" erfolgreich noch die "Ich leg ein flickr-Konto an und verbide dieses mit meinem Blog"-Variante.

Immerhin hab ich jetzt eine Möglichkeit bei flickr entdeckt, indem ich dort das Bild hochlade und dann den HTML code hier reinkopiere. Besser als nichts.

Ich bin mit dem Weihnachtskleid sehr gut voran gekommen - um genau zu sein: eigentlich fertig. Eigentlich.

Aber seht selbst:

Der Plan sah vor, das tolle New England Dress von Decades of Style zu nähen, nunmehr in uni.

Und hier nun das fast fertige Ergebnis, schlecht belichtet, ihr wisst schon: das Wetter:


DSC_1391

Was mich grad sehr beschäftigt: der Ärmel gefällt mir noch nicht. Der Stoff ist ein guter, toller, schöner Anzugstoff, Gabardine vielleicht, ganz fein - aber eben viel fester als der hübsche Viskoseblusenstoff

Mit den Ärmeln bin ich also gar nicht zufrieden. Er ist zu steif für die gewählte Langvariante. Die Manschette (sagt man doch so, oder?) sind zu dick und dieses volumige passt besser zu einem Blusenstoff. Das hier gefällt mir nicht.

Jetzt überlege ich, ob ich einfach neue Ärmel konstruiere. Meine Idee wäre: Ärmel eines anderen Kleides zu nehmen, aber - und jetzt kommt die Herausforderung - die Schulterkonstruktion zu übernehmen. Das würde heißen: Ich trenne diese Ärmel raus und auf und lege einen anderen schmalen Ärmel auf, belasse es aber bei der schönen Schulterpartie mit Abnähern. 

Was denkt Ihr, wäre das ne gute Möglichkeit? Hier nochmal die technische Zeichnung:

Bin gespannt, was Ihr meint. So oder so wird es wohl was mit dem neuen Weihnachtskleid, es sind ja noch zwei Wochen...

Melleni



Samstag, 1. Dezember 2012

MMM-Spendenaktion

Hossa! Da bin ich jetzt doch platt. Ich gehörte nämlich zu denjenigen der MMM-Crew, die eher für ein ambitionierteres Ziel plädiert haben. Gestern in unserer virtuellen Diskussion war 1000 € so ein symbolischer Wert für: Das wär doch was, wenn wir das erreichen. Müsste doch zu schaffen sein, wenn jede MMM-Teilnehmerin spendet und auch noch die ein oder andere Leserin.
Nun, ich glaube, wir haben uns und Euch ein bisschen unterschätzt. Schließlich hieß das Ziel nicht: 1000 € in 24 Stunden... Aber grad sieht es so aus, als würden wir die 1000 € noch heute knacken.

Vielen vielen Dank, liebe DIY-Bloggerinnen und -Leserinnen, ich binganz hin und weg! Ihr seid toll!

Gemäß dem schönen Motto THINK BIG! möchte auch ich Euch hiermit auf unsere Spendenaktion aufmerksam machen und um Spenden bitten; genauere Infos gibt es hier und hier und hier und hier.

Die Idee dahinter - neben dem unmittelbaren Ziel, 5 oder mehr Frauen eine Ausbildung zu ermöglichen - bringt Meike von crafteln sehr gut auf den Punkt: 
"Und jetzt hoffe ich, dass diese Bewegung stark, bewußt und großzügig genug ist, einen Teil der Kraft und Ressourcen Frauen, in einem anderen Teil der Welt, abzugeben."

Und deshalb möchte ich alle ermuntern, unser naives Minimalziel einfach zu ignorieren (sprich: nicht bei 1000 aufzuhören, das wäre ja kleinlich!) und die Spendentaste zu drücken, das Geld kommt auf jeden Fall an und wird dann eben 10 oder 20 Frauen zu einer Ausbildung verhelfen!

PS: Ihr findet die Aktion gut? Schreibt darüber in Eurem Blog und bindet das Spendentool in Eure Seite ein. Wir alle sind der MMM!

Quellcode für das Spendenwidget in Blogger (einfach bei Gagdgets oder im Posting unter HTML einfügen)

<iframe frameborder='0' marginheight='0' marginwidth='0' src='https://www.betterplace.org/de/groups/me-made-mittwoch-die-spendenaktion/widget' width='160' height='260' style='border: 0; padding:0; margin:0;'>Ihr Browser unterstützt keine Iframes. <a href='http://www.betterplace.org/projects'>Spendenaktion starten</a> auf betterplace.org</iframe>

Freitag, 30. November 2012

"Wie, Du stillst nicht?"

Quelle: hier

Die Aussage: "Ich stille mein Kind nicht" kommt heute einer Selbstanprangerung gleich. Stillen ist ein Muss, Distinktionsmerkmal der guten, weil fürsorgenden und liebenden Mutter. In bestimmten Kreisen gehört es einfach dazu zu stillen und wer sich dem entzieht, womöglich freiwillig und mit Bedacht, steht im Generalverdacht: nicht genug zu geben, nicht genug zu lieben, nicht genug zu tun - für sein Kind, dem man doch alles schuldig ist. Man will ja nur das Beste für sein Kind. Und Stillen - das weiß doch jedes Kind - ist nunmal das Beste, die Creme de la Creme, der Goldstandard.

Nun, ich gehöre zu diesen Müttern: Ich habe meine Kinder nicht* gestillt.

Ich bin Stillverweigerin. Oha. Etwas schlimmeres kann man seinem Kind kaum antun, wenn man die veröffentlichte Meinung und die gängigen Mütterdiskurse als Maßstab nimmt.

Das Stillen unterliegt gewissen Moden: je nach sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen wurde mal mehr, mal weniger gestillt. Ich wurde zum absoluten Still-Tiefstand Mitte der 1970er Jahre geboren und gehöre damit selbst zur Generation von Kindern, die tendenziell nicht gestillt wurden. "Das war damals einfach nicht üblich" - diesen Satz haben sicher viele meiner AltersgenossInnen gehört. Es folgte eine Stillrenaissance, die bis heute anhält und gespeist wurde durch eine ökologische Rückbesinnung und neue Natürlichkeit, einher gehend mit der Emanzipation von den strikten, als frauen- und kinderfeindlich angesehenen Vorgaben des medizinischen Personals und anderer Autoritäten. Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Kind war ohne Frage eine Befreiung aus dem engen Korsett medizinisch-patriarchaler Vorgaben, Regeln und Praktiken von Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft.

Mittlerweile jedoch hat sich diese Befreiung in ihr Gegenteil verkehrt: Es herrscht Stillzwang! Statt Selbstbestimmung gilt es, Frauen, ob sie wollen oder nicht, über die unzähligen Vorteile des Stillens und die ausschließlichen Nachteile der Flaschenernährung "aufzuklären". Es ist eine neue Dominanz von ExpertInnen zu beobachten, die den Frauen erklärt, was sie zu tun, zu fühlen und zu unterlassen haben, was "natürlich" und "normal" ist - und was nicht. Einher geht diese Expertenorientierung mit einer Traditionalisierung des Mutterbildes.

Am extremsten vertritt dieses die La Leche Liga (LLL), eine internationale Organisation, die in 78 Ländern tätig ist und Beraterstatus bei UNICEF und WHO genießt. Internationale Empfehlungen und Aktionspläne lesen sich wie direkt aus der Feder der LLL geflossen. So empfiehlt die WHO in den ersten sechs Monaten das "ausschließliche" Stillen und darüber hinaus das Weiterstillen (unter Gabe angemessener Beikost) bis zum zweiten Lebensjahr - und darüber hinaus! Das Stillen ist idealerweise durch beide Partner dieser "Stillbeziehung" im gegenseitigen Einvernehmen zu beenden. Die WHO empfiehlt also das Langzeitstillen (LZS) von Kleinkindern, das de facto nur von einer Minderheit der Frauen praktiziert wird. Mich erinnert das fatal an die katholische Kirche, deren Dogmen - etwa zu Verhütung und Sexualmoral - über den Daumen gepeilt 99,9 % der Mitglieder nicht praktizieren.

Die LLL propagiert genau dieses von der WHO empfohlene LZS. In ihrem "Handbuch für die stillende Mutter" ist viel die Rede von biologischen Programmen und natürlichen Verhaltensweisen sowie den Bedürnissen von Baby und Mutter, die - von Natur aus, klar - identisch sind.
Mutter und Kind werden als untrennbare soziale und biologische (!) Einheit angesehen. Da passt kein Blatt zwischen - nicht einmal schon gar nicht der Vater. Der Vater wird in der Ideologie der Stillorganisationen LLL und AFS (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) abgeleitet von der Mutter betrachtet, er ist "auch" wichtig, jedoch nie selbständiger Akteur, sondern ermöglichender Dritter einer harmonischen Stillbeziehung zwischen seiner Frau und seinem Kind. Die Debatte konzentriert sich auf die Mutter-Kind-Beziehung, die er möglichst nicht stört, im Idealfall unterstützt und aus der er weitgehend ausgeklammert ist. Klassische Geschlechterrollenarangements werden reproduziert, in der die Frau für Ernährung, Liebe und Fürsorge zuständig ist und der Vater für die Abteilung "Spaß und Spiel". Er spielt eine ergänzende und damit lässliche, zweitrangige Rolle im Leben des Babys.
Die Mutterrolle wird biologisiert und naturalisiert - und damit die faktische Wahlfreiheit "Brust oder Flasche - oder irgendwas dazwischen?" unterminiert.

Aber was heißt schon Wahlfreiheit? Wer die einfordert ereilt den Ruch des Egoismus - seit je her das schlimmste Stigma, das einem als Mutter in Deutschland aufgezwängt werden kann. "Du willst nicht das Beste für Dein Kind - und ich definiere was das Beste ist! -? Du RABENMUTTER!" Es geht um alles: Die Mutter hat es schließlich in der Hand, ob das Kind gesund bleibt. Wer kann dazu schon 'Nein' sagen?

Im Zentrum der Debatte stehen die dem Stillen zugeschriebenen positiven Gesundheitseffekte. Die Liste ist lang und wird ständig länger, hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Stillen schlau macht und jeder weiß, dass es vor Übergewicht, Allergien und Infektionen "schützt". Stillen werden langfristige gesundheitspräventive Wirkungen für Mutter und Kind zugesprochen. Allein die Länge der Liste der positiven Gesundheitseffekte scheint deren Evidenz zu belegen. Es wird suggeriert, dass statistische Zusammenhänge - in kausaler Ableitung - einen KONKRETEN Gesundheitseffekt haben.

Aber, so ist in den Foren und in der Ratgeberliteratur unisono zu lesen: "Stillen ist ja so viel mehr" - Stichwort: Bindung. Der Mutter wird nicht nur die Verantworung für die gesundheitliche, sondern auch für die psychosoziale Entwicklung zugesprochen, die sie durch das Stillen gezielt determinieren kann. Klar scheint: Wer (bewusst) nicht stillt, nimmt in Kauf, dass sein Kind zum emotionalen Krüppel wird - eben so wie wir Kinder der 70er - die lost generation, klar!

Die Debatten in den Mütterforen - beispielsweise im Stillforum bei eltern.de oder bei stillen-und-tragen.de - gipfeln mitunter in Sätzen wie: "Stillen gehört zum Muttersein dazu. Wer nicht stillen will, sollte sich überlegen, ob man überhaupt ein Kind haben will oder es nicht besser lässt." Puh... in welchem Jahrhundert leben wir nochmal?

Die Ratgeberliteratur hat sich weitestgehend die gerade skizzierte Sichtweise auf Mutter-(Vater)-Kind zu eigen gemacht. Stillen ist der normative Bezugspunkt, selbst in sehr moderaten Mainstream-Ratgebern (etwa aus dem GU-Verlag), in denen es sowohl ein Still- als auch ein Fläschchen-Kapitel gibt, in dem es dann heißt: "Auch wer nicht stillen kann oder will, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben,..." womit natürlich suggeriert wird, dass es durchaus angebracht sein könnte, ein schlechtes Gewissen haben könnte.

Deshalb war ich sehr gespannt, als ich vor Kurzem die Ankündigung las für einen Ratgeber "für Mütter, die nicht stillen wollen oder können" mit dem Titel: "Wie, Du stillst nicht?" Auch wenn gerade kein akuter Bedarf besteht habe ich mir das Buch umgehend bestellt und in einem Rutsch durchgelesen.
 

In meiner Bewertung beim großen online-Versand werde ich sehr wohlwollend berücksichtigen, dass es dieses Buch überhaupt gibt. Das ist ein Zeichen und ohne Frage schonmal prima. Die Autorin hält sich auch weitgehend an ihren Anspruch, Frauen kein schlechtes Gewissen wegen des Nicht-Stillens machen zu wollen und sie bei ihrem Weg zu unterstützen. Soweit also erstmal alles gut, sowas hat womöglich gefehlt auf dem Ratgebermarkt.

Jetzt kommt jedoch - natürlich - das große ABER: Abgesehen vom Stillen wird hier dann doch die ganze biologistische Mutterideologie verkauft. Tenor: Man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man nicht stillt. Das nicht. Dafür aber, wenn man die Defizite, die man durch das Nicht-Stillen erzeugt, nicht mit voller Wucht ausgleicht. Sprich: Wenn Du schon nicht stillst, musst Du alles daran setzen, die drohende Bindungsschwäche Deines Kindes zu verhindern. Aus diesem Grund empfiehlt die Autorin Frauen, die nicht stillen das sogenannte Beziehungsstillen, um die Bedürfnisse des Kindes zu befriedigen. Was das ist? Nun ja, das Kind anzulegen, ohne es zu stillen, also ohne es an der Brust zu ernähren, als Schnullerersatz. Das Stichwort, das die Autorin liefert, lautet: Mutterleibservice. Und den kann nunmal - na, wer errät es? - nur die Mutter leisten:

"Geht man davon aus, dass die Bindung zur Mutter als erste elementare Bindung im Leben eines jeden Menschen alle weiteren prägt, liegt es auf der Hand, dass das vermeintlich positive am Nichtstillen, nämlich als Mutter ersetzbar zu sein, ein großer Trugschluss ist. Ist es wirklich erstrebenswert, wenn andere Personen [aka der VATER] sich gleichwertig um das Kind kümmern können? (...) lesen Sie sich bitte noch einmal 'Die Bedürfnisse eines Babys' durch und verinnerlichen diese. Ideal wäre es, wenn nur Sie am Anfang den Mutterleibservice bieten. Gerade in den ersten Monaten sollten Sie sich möglichst selten länger von Ihrem Kind trennen. Das gilt insbesondere, wenn Sie ihm die Flasche geben."


Wie war das nochmal mit dem Expertentum?
Mir geht es - nur für den Fall, dass ich in den Verdacht gerate - nicht darum, pauschal das Stillen zu verurteilen oder ein Loblied auf die Flasche zu singen. Mich interessiert die öffentliche Diskussion und was sie mit Frauen und Paaren macht. Ich finde, erwachsene Frauen sollten sich selbstbewusst und eigenverantwortlich um ihr Kind kümmern - und die betroffenen Väter ebenso. Mir schwebt vor, dass Frauen und Männer im besten Sinne aufgeklärt an die Sache mit dem Stillen rangehen - wie an alles andere möglichst auch - und sich darüber klar sind, was das eine wie das andere möglicherweise für sie, ihre Beziehung und die Zukunft als Familie bedeutet. Ich möchte, dass Frauen nicht für dumm verkauft werden.

So wie in dem Buch: "Wenn Sie nicht stillen, muss Ihnen klar sein, dass einer von Ihnen - Ihr Partner oder Sie - nachts aufstehen muss, um das Fläschchen zu kochen." Ein Argument, das in Mütterforen immer wieder auftaucht, Stichwort: Flasche geben ist ja so unpraktisch. Warum die im nächsten Absatz genannte Thermoskanne, die man sich anschaffen sollte, um unterwegs eine Flasche zuzubereiten, nicht auch des nachts zum Einsatz kommen kann, bleibt unklar. Vermutlich stört sie die Bindung zwischen Mutter und Kind. Denn diese ist auf jeden Fall eines: magisch!

In Vorbereitung dieses Posts habe ich mich nochmal umgeschaut im WWW und eine kleine Sammlung sehr lesenswerter Artikel und Posts zum Thema erstellt. Bitte sehr: 

Nicole Althaus analysiert sehr kurzweilig den Kreuzzug im Namen der Muttermilch und MALMOE geht in "Mein Busen gehört mir" der Frage nach Wie Medizin, Verantwortungsdiskurse und Naturalismus stillunwillige Frauen moralisch erdrücken. Bereits 2009 ist ein Essay im Süddeutsche Magazin erschienen, der mich sehr amüsiert hat und der damals böse in der Stillcommunity diskutiert wurde: Die Nippel der Welt. Auf der Suche nach einer pragmatischen Hebamme, die meine Entscheidung nicht zu stillen "akzeptiert" (soweit sind wir schon...), sprach ich mit der Hebamme, die L1 auf die Welt geholt hatte. Im Laufe des Gesprächs erzählte sie mir, dass sie die Autorin Susanne Frömel betreut hatte und ihren Artikel wirklich gelungen und - oha! - lustig fand. Ich glaube, eine solche Hebamme zu finden ist wie die Nadel im Hauhaufen... Blogposts, die das Thema aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven und persönlicher "Betroffenheit" schildern, habe ich natürlich auch gesammelt: Regenrot schreibt über "Die dunkle Seite der Babyernährung" und greift den bösen Begriff der Stillnazis auf, den Susanne Frömel in der SZ schon benutzt hatte. Glücklichscheitern verwahrt sich gegen allzu übergriffige Fragen zum persönlichen Still- oder Nichtstillverhalten, ebenso wie Dr. Indie. Auch schön: Die Liste der häufigsten und nervigsten Fragen während Schwangerschaft und kurz nach der Geburt.

Hier und hier finden sich Artikel über den Umgang von nicht-stillenden Müttern mit dem gesellschaftlichen Druck, "der auf ihnen lastet", wie man so schön sagt. Frank Furendi, Soziologe an der Uni Kent, plädiert für das Ignorieren von Expertenmeinungen als Basis für die Koexistenz verschiedener Erziehungsstile. Und fuckermothers verwahrt sich in einem offenen Brief an die Nationale Stillkommission gegen den übergriffigen Griff an die Brüste, diskutiert die sich wandelnden Stillempfehlungen und setzt sich mit der Fragwürdigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse auseinander.

Last but not least: Der Lesetip "Der Konflikt" von Elisabeth Badinter, das ich, unmittelbar nach Erscheinen, im Wochenbett mit L2 gelesen habe - eine Zeit, die ich in wunderbarer, entspannter Erinnerung habe, trotz - oder gerade wegen... - meines renitenten Nicht-Stillens.

Melleni



* Sagen wir "praktisch nicht": L1 bekam ca. 10 Tage "die Brust", danach noch ein paar Wochen (weniger werdende) abgepumpte Milch. L2 wurde im Geburtshaus einmal angelegt, das war's.

Montag, 26. November 2012

Wochenrückblick KW 46/47

Gar nicht so viel los, hier gerade. Die Zeit plätschert dahin. Es ist grau und trüb, das Wetter, nicht unbedingt die Stimmung. Keine emotionalen Talfahrten. 

[GEÄRGERT] Die Spülmaschine hat ihren Geist aufgegeben. Das wird teuer.

[GEKOCHT] Rote Linsensuppe mit gedünstetem Blumenkohl und Räuchertofu, Kartoffel-Wirsingeintopf mit Pilzen

[GENÄHT] Das New England Dress

[GEPLANT] Das Weihnachtskleid sowie ein Winterkleid nach Simplicity 3673, einem meiner Lieblingsschnitte (hier, hier, hier und hier) sowie Weihnachtskleider für meine Töchter und ein paar wenige Weihnachtsgeschenke.

[GEGUCKT] Den Bond zum Älterwerden: Skyfall 

[GEKLICKT] Die sehr lesenswerten Texte über feministisches Muttersein, die bei fuckermothers kommentiert wurden

[GELESEN] Ich ärgere mich grad sehr, dass ich immer wieder Artikel, die ich Euch nicht vorenthalten möchte, partout nicht im online-Angebot zu finden sind, also: zumindest kann ich sie nicht finden.
Der Freitag hat diese Woche eine Doppelseite zum Thema Organspende herausgebracht, von dem zumindest dieser sehr lesenswerte Artikel online veröffentlicht ist sowie dieser hier.

Das Thema beschäftigt mich immer wieder, wie ich hier und hier schonmal geschrieben habe. Der Organspendeskandal ist das eine. Viel problematischer scheint mir jedoch, dass die Kriterien für den Hirntod keineswegs eindeutig sind, die Ärzte hierfür nicht unbedingt ausreichend ausgebildet sind und immer wieder Fehler bei der Diagnose gemacht werden - die natürlich schwerwiegend sind für die Betroffenen. Es wird beispielsweise diskutiert, dass man die Organe bei einem Spender nur per Vollnarkose entnehmen sollte - was in anderen Ländern Pflicht ist -, damit man sicher sein kann, dass dem Sterbenden keine unnötigen Schmerzen entstehen. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto größer werden meine Fragezeichen und Zweifel an dem System der Organspende, wie es offenbar heute existiert. Ebenfalls lesenswert in diesem Zusammenhang: Der Wille stirbt zuletzt.

Entschuldigt die etwas monothematische heutige Textauswahl. Nächste Woche gibt es wieder mehr Vielfalt!

Sonntag, 25. November 2012

Weihnachstkleid Sew Along: Teil 1


Schneller als gedacht, findet heute der 1 Teil des WAS (Weihnachtskleid Sew Along) statt, Katharina sei Dank! Grad sind schon 60 Ideensammlungen bei ihr verlinkt, großartig!

Katharina stellt für Teil 1 folgende Fragen:

Weihnachtskleid-Sew-Along 2012 Teil 1: Motivation und Link-Sammlung
Was mag ich anziehen, lieber ein Kleid oder ein schickes Hosenoutfit? / Wo kriege ich den Schnitt her? / Wer hat eine Idee für einen tollen Blusenstoff? / Ich weiss schon was ich nähe und zwar das hier. / Kennt jemand einen Schnitt für so etwas? / Ich habe einen tollen Schnitt gesehen, den muss ich Euch unbedingt zeigen. / Ich weiss noch garnicht was ich nähen soll.

Eigentlich hatte ich mir, als das Fest der Feste sich näherte, gedacht: Das Kleid vom letzten WSA ist ja noch gut, mach Dir mal keinen Streß und konzentrier Dich auf die Geschenke und ein allgemeines, entspanntes Wohlbefinden. Mein letztjähriges Kleid hab ich tatsächlich praktisch nicht getragen in den vergangenen 12 Monaten. Beim Bloggertreffen bot sich die Gelegenheit, es mal wieder auszuführen - und es fühlte sich gut an!


Aber gut, bis Weihnachten würde ich sicher noch das ein oder andere Kleid nähen, warum nicht unter dem Label Weihnachtskleid? Nach Katharinas Aufruf musste ich nicht lange überlegen: Zur Auswahl stand das aktuelle Cover-Modell der Meine Nähmode



oder das großartige New England Dress

 
Ich will es nicht spannender machen als unbedingt notwendig und verrate Euch, dass ich mich für das New England Dress entscheiden habe.

Am letzten Mittwoch wurde ich ein paar Mal gefragt, ob ich das Kleid schon in uni plane. Das hatte ich so konkret nicht vor, sondern eigentlich dachte ich an den zweiten wunderschönen Viskose-Stoff von Frau Alois, den ich hier schonmal gezeigt habe.

Aber Eure Frage motiviert mich, das schöne Stöffchen einstweilen liegen zu lassen und ein schlichtes Kleid zu nähen. Der Stoff ist schon gekauft und gewaschen, irgendwann die kommende Woche schneide ich ihn zu. Fotos folgen dann am nächsten Sonntag, denn: ich krieg hier grad ne Fehlermeldung, dass mein 1 GB Kontingent erschöpft ist und ich - leider - keine Fotos hochladen kann, oh Schreck. Wenn ich dann auf "Mehr Kontingent mieten" klicke, wird angezeigt, dass ich 21 % ausschöpfe. Was denn nu? Hat jemand ne Idee???

Soweit erstmal meine Pläne für das diesjährige Weihanchtskleidnähen. Ich freu mich sehr auf alle anderen Pläne und Ideen, die Katharina hier sammelt.

Melleni