Montag, 16. April 2012

Rituale

Mein USB-Kabel ist wieder da, jippieh.

Okee, morgen kommt meine Familie eh wieder, wär ja auch noch früh genug gewesen.  Aber so nutze ich den letzten freien Abend sinnvoll.

Meine Tochter und ich haben ein sehr schönes Ritual: Wenn wir uns länger nicht sehen - eine Nacht oder ein Wochenende - kleben wir uns ein Tattoo auf die Hand als kleine Erinnerung an uns. "Wenn ich den Pirat sehe, denke ich an Dich."

Wir haben zu Hause eine kleine Box mit vielen abwaschbaren Tattoos. L1 darf sich dann ihr Tattoo aussuchen - und ich nehme eines, das sie eher nicht so toll findet. Bei mir landen also die Spinnen, Indianer, Schlangen und Autos.
Entstanden ist dies vielleicht vor einem Jahr, als ich morgens früh weg musste und erst spät nach Hause kam und wir uns den ganzen Tag nicht sahen. Das Ritual hat sich mittlerweile verfestigt, wir denken beide dran und freuen uns. Witzig ist das Tattoo dann bei Job-Terminen. Ich werde immer wieder drauf angesprochen: Was hast Du denn da?


Das zweite liebgewonnen Ritual ist das Briefeschreiben an meine Töchter. Ich bin ja nicht so die Tagebuchschreiberin. Bei der Geburt von L1 hatte ich mal kurz angefangen,das Leben mit ihr aufzuschreiben. Das funktionierte aber so gar nicht. Also nahm ich mir irgendwann einen Bogen Briefpapier und schrieb ihr einen Brief. Anfangs im Vierteljahresabstand, später im Halbjahresrythmus konnte ich so immer wieder kleine Schlaglichter auf unser Leben mit ihr werfen.

Der letzte Brief ist entstanden kurz nach L2's Geburt, also vor gut anderthalb Jahren. Tja, es wurde Zeit, sich mal wieder die Zeit zu nehmen und das Leben der meiner beiden Mädchen zu beschreiben, ihnen zu erzählen, was uns gerade bewegt, was sie gerade lernen und was sie miteinander machen.

Auf meiner ToDo-Liste stand seit Weihnachten: Brief schreiben. Wie das so ist: die Zeit vergeht, immer ist irgendwas wichtiger. Am Sonntag nun nahm ich mir endlich mal die Zeit, um bei einem Glas Tee und nem Stück Kuchen einen Brief für meine Mädchen zu schreiben.

Die Briefe kommen in eine Kiste mit Kleinigkeiten und Erinnerungsstücken der beiden. Ich denke, sie bekommen die Briefe irgendwann wenn sie groß sind, mit 16 oder 18. Was spannend ist: Beim Schreiben stelle ich mir vor, wann sie diesen Brief lesen. Wie ist unser Leben, die Stadt, unser Umfeld in 2022 oder 2025?

Habt Ihr auch solche Rituale?

Melleni

Kommentare:

  1. Oh, das sind zwei schöne Rituale. Meine Mum hat für uns jeweils ein kleines Tagebuch geführt. Die zeitlichen Abstände waren teilweise auch ziemlich lang. Das war sehr sehr besonderes als ich es geschenkt bekommen habe. Da hab ich öfters beim Lesen geweint :-)
    Alles Liebe aus Stuttgart

    AntwortenLöschen
  2. Schöne Rituale, ich bin ja der Überzeuh´gung, dass der Mensch Rituale braucht bzw. dass sie gut tun, auch den "Großen". Wir haben und hatten (je nach Alter) auch verschiedene Rituale, bis heute gibt es z.B. ein "Gute-Nacht" Ritual, darauf legen unsere Beiden (11 und 14 J.) immer noch Wert, es hat sich etwas verändert, singen ist z.B. nicht mehr gewünscht......Bei Klassenarbeiten gibt es immer ein Traubenzucker in die Frühstücksdose, wenn ein Kind über Nacht weg ist, hat es ein kleines "Heimweh-Vorsorge-Kissen" dabei, hatte ich mal genäht, da waren die Kids noch im Kiga......Und eine Erinnerungskiste haben wir auch.......
    Herzliche Grüße
    Sabine

    AntwortenLöschen
  3. Wie schön Eure Rituale! Die Tattoo-Idee ist wirklich süß und ja auch recht leicht umzusetzen. Das letzte mal (und erste mal überhaupt), als ich eine Woche auf Dienstreise war, hab' ich ein kleines Büchle gemalt ("Mama fährt Arbeiten") - aber das geht wohl doch nicht bei jeder Abwesenheit :-(
    Und über die Briefe werden sich Deine Töchter auf jeden Fall sehr freuen, wenn sie sie später einmal lesen dürfen!!!

    Liebe Grüße,
    Stefanie

    AntwortenLöschen
  4. Euer Tatooo-Ritual ist ja total schön! Und auch die Briefe! Sowas verbindet Mutter und Tochter sehr. Meine Kinder, inzwischen 22 und 20, sagen mir heute, dass sie's schön fanden, dass der letzte Schultag vor Ferien, ganz besonders an Zeugnistagen, egal wie's ausgefallen war, immer besonders begangen wurde: da durften sie sich immer eine Pizza bestellen, die dann am besonders schön gedeckten Tisch gegessen wurde. Dann immer noch der Kuchen in Herzform an den Geburtstagen, mit Smarties drauf der Name des Geburtstagskindes und die Geburtstagszahl. Inzwischen schick ich den Herz-Kuchen an den jeweiligen Studienort.... Dann noch die immer gleichen Abläufe an Weihnachten... Sowas gibt Halt auch in Zeiten, die nicht so prickelnd sind... Und die vielen kleinen Alltagsrituale, die man gar nicht so wahr nimmt...aber doch braucht... Zeigen die gegenseitige Verbundenheit die jeder braucht und dass man sich auf seine Leute verlassen kann. Meine Tochter bekam übrigens mein/ihr Babytagebuch als sie vor 2 Jahren auszog, das war besonders, das nahm sie ins ferne Berlin und dann zum Studieren nach NRW mit; beim Sohn reichte es halt dann zu einem Brief zu seiner Geburt... da war's schon stressig...

    LG, Sieglinde

    AntwortenLöschen
  5. Finde ich eine sehr schöne Idee mit den Briefen!
    Gruß Sonnenblume

    AntwortenLöschen
  6. das ist ein ganz süßes ritual.. sehr liebevoll. davon wird deine tochter sicher noch später ihren enkeln erzählen. das ist etwas wahres fürs ganze leben =)

    AntwortenLöschen