Dienstag, 20. März 2012

Das Private ist politisch

Der aktuelle Beitrag von Catherine ruft ja viel Resonanz hervor. Ich hab den ganzen Tag immer mal wieder in die Kommentare geschaut und halbe Gedanken dazu verfasst. Ich muss leider sagen, dass das Kommentar lesen nicht unbedingt zur Klarheit der eigenen Gedanken beiträgt. Deshalb nochmal flott den ursprünglichen Beitrag gelesen und die Gedanken sortiert. Ich hoffe, es gelingt.

Catherine schreibt von den "Zwickmühlen oder Dilemmata, in denen Politikerinnen in den Medien stecken: Sind sie schön ODER schlau? Sind sie jung und frisch ODER erfahren? Zu sanft ODER zu robust? Instrumentalisieren sie ihre Familien ODER haben sie gar keine Gefühle?" Ich fürchte, das gilt (in abgeschwächter Form und unterschiedlichem Ausmaß) nicht nur für Politikerinnen, sondern für Frauen schlechthin. Attraktiv UND Kopf? Gefühl UND Verstand? Mutter UND Frau? Oder anders - das wird auch in vielen der Kommentare deutlich: Wie man`s macht, macht man`s verkehrt. Egal ob man den klassischen Weg geht - Schule, (gute/langwierige) Ausbildung, Etablierung im Job, Kind - oder sich für alternative Modelle entscheidet, man steht doch irgendwann an dem Punkt, wo es gilt sich rechtfertigen, erklären zu müssen. De facto sind die Ansprüche, die an Frauen heute gleichzeitig gestellt werden praktisch unvereinbar. Egal welchen Weg man geht: Karriere ohne Kind, ggf. auch Mann (suspekt, nach wie vor), Karriere mit Kind (noch suspekter), Kind und Erwerbstätigkeit (vielleicht nicht mehr Rabenmutter, aber doch irgendwie immer noch Thema), Hausfrau und "nur" Mutter (altbacken, klar)...

Korrigiert mich, falls ich mich irre: Ich denke, dass sich das Leben von Männern und Frauen in diesem Punkt fundamental entscheiden: Sie müssen sich einfach nicht im gleichen Maße für Lebenswege rechtfertigen. Ich wünschte mir manchmal, dass es anders wäre (nicht, weil ich es den Männern gönne sondern weil ich denke, dass dies zu mehr Offenheit in der Gestaltung von Biografien, zu mehr geteilter Verantwortlichkeit, zu mehr Vielfalt führt), sehe dies aber bislang nicht. Welcher Mann muss sich dafür rechtfertigen, dass er im Grunde das Leben seines Vaters lebt und die Karriere Priorität hat, vor eigener Gesundheit, Engagement, Kindern? Welcher Mann muss sich dafür rechtfertigen, dass er sich auch mit Mitte 40 schlichtweg kein Leben mit Kindern vorstellen kann, weil ihm andere Dinge wichtiger sind, und er in Zeugungsstreik tritt (die Analogie zum Gebärstreik der "gut ausgebildeten" Frauen)? Welcher Mann muss sich dafür rechtfertigen, dass er straight seine Ziele verfolgt?

Mir persönlich war es immer wichtig, meiner Ausbildung entsprechend beschäftigt zu sein, mein eigenes Geld zu verdienen und mit meinem Mann auch nach der Geburt der Kinder ein weitgehend gleichberechtigtes Leben auf gleicher Augenhöhe (mit weitgehend gleicher Aufgabenteilung) zu führen - weit von dem entfernt, was man gemeinhin eine "Karriere" nennt. Was ich problematisch finde, ist nicht, wenn Paare eine andere Aufgabenteilung vornehmen und Menschen, Frauen anders leben (ich habe eine Ahnung, dass die klassische Arbeitsteilung ein bisschen "einfacher", weil klarer ist, obschon sie für mich nicht in Frage kommt).
Was mich stört und ein bisschen in Rage bringt, ist, wenn Frauen (und Paare) da einfach so reinschlittern. Wenn keine Auseinandersetzung stattfindet darüber wie man miteinander leben will. Wenn sich Unzufriedenheiten breit machen und Wege unreflektiert eingeschlagen werden, weil Alternativen nicht möglich scheinen, weil Rollenmuster nicht hinterfragt werden - weder von Frauen noch von Männern. Ich glaube, dass Emanzipation bislang nur halbherzig verfolgt und umgesetzt wird - und die Hälfte der Bevölkerung ganz einfach mal schlank ausgespart bleibt. Den Frauen wird immer mehr oben drauf gepackt - oder sie packen selbst kräftig mit (auch mit den von Cat monierten Heile-Welt-Images). Anders gesagt: Solange sich nur Frauen aufreiben mit ihrer Bastelbiographie und den Versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen, solange gibt es wohl keine Gleichberechtigung.

"Nur - warum werden andere Seiten so unsichtbar? Ist der Trend zur weiblichen freiwilligen und positiv verstandenen Häuslichkeit eben die Antwort auf die immer noch so geringe öffentliche Teilhabe? Und wie verhalte ich mich in diesem Kontext? Ich empfinde das wirklich als ein Dilemma denn ich möchte schon sehr gerne übers Nähen, über leichte Dinge, über schöne Gegenstände , kochen, backen, den ganzen weiblichen Mikrokosmos schreiben, aber auch darüber, was ich denke. Und ich würde es so gerne viel mehr auch bei anderen lesen: Was sie eigentlich noch so denken."

Ich glaube, hier spiegelt sich die ganze Bandbreite an Persönlichkeiten wider, die einen, die sich nen Kopf machen, die anderen, denen das nicht so liegt. Die einen, die ihre Gedanken auf den Puntk bringen können, die schreiben können, die eine Meinung haben zu allem und jedem, die diese Meinung auch vertreten können - und die anderen, die sehr abwägend sind, moderat, verständig, die niemandem vor den Kopf stoßen wollen, nicht anecken wollen. Ist das typisch weiblich? Vertritt jeder Mann immer und überall seine Meinung? Es sind sicher Rollenzuschreibungen, Typisierungen, die Tendenzen anzeigen.

Mir persönlich geht es so, dass ich meinen blog durchaus als Plattform ansehe, zu Themen, die mich beschäftigen zu schreiben - und sei es nur in Form von Kommentaren zu verlinkten Texten, Artikeln. Aber ich bin noch weit davon entfernt, zu allen mich interessierenden Themen journalistische Texte schreiben zu können.

Ich hab`s nicht so mit dieser Ästhetisierung - weder im Alltag noch auf meinem blog. Im Gegenteil: manchmal wünsche ich mir auch hierfür ein größeres Talent für die schönen Dinge. Deko, basteln und so, das ist mir nicht in die Wiege gelegt worden. Umso mehr freue ich mich, gerade auch mit dem Kind, an dieser Ecke ein bisschen zu experimentieren. So verstehe ich auch den Koche-Backen-Freizeit-Teil des Wochenrückblicks eher als privates Tagebuch denn als Demonstration meiner herausragenden Mutterfähigkeiten. 

"Die Welt darzustellen, wie sie eben wirklich ist und nicht weichgezeichnet. Ich wünsche mir wohl weniger glatte moderne Weiblichkeit und mehr Aggression im Umgang mit der Öffentlichkeit, denn Bloggen heißt doch auch, Öffentlichkeit zu betreten und herzustellen."

Wahrscheinlich ist das nicht immer jeder so klar, da das bloggen doch eine sehr niederschwellige Form der öffentlichen Kommunikation darstellt. Dass man mit dem bloggen einen Beitrag zur öffentlichen Debatte leistet. Ich glaube aber auch, dass sowohl Politik im allgemeine als auch Geschlechterfragen im besonderen nicht für jede auf der Hand liegen. Damit will ich nicht sagen, dass alle DIY-bloggerinnen unpolitisch sind, keineswegs, aber darüber zu schreiben, sich und seine Ansichten zur Debatte zu stellen liegt nicht unbedingt jeder. Und ehrlich gesagt sind mir Beiträge a la: DIE Politiker sind doch alle korrupt, wie man sie des öfteren liest, dann doch zu unpolitisch.

"Oft wünsche ich mir, dass Frauen, insbesondere die Frauen meiner Generation, denen so viel versprochen wurde und die sich doch oft genug den alten Strukturen ergeben müssen (?), doch mal die Nase voll habe und sich von der Lebenslüge verabschieden, es handle sich um individuelle Entscheidungen und/oder Probleme, wenn sie eigentlich massiv strukturell diskriminiert sind."

Absolut. Das wünsche ich mir auch. Und ich wünsche mir, dass sich Frauen um ihre Interessen kümmern - und zwar nicht nur im großen, nicht nur auf der politischen Ebene, sondern auch im kleinen, im vermeintlich rein privaten. Dass sie Verantwortung übernehmen, sich um ihren Kram kümmern.

"Es kann auch darum gehen, nicht mehr kaufen zu müssen und damit auch ein Stück weit alternativen Konsum zu betreiben. Kann, aber muss nicht. Es ist jedenfalls eine gemeinsame und im Feedback von Solidarität und Anerkennung geprägte Veranstaltung und durchbricht auch ein Stückweit weibliche Konkurrenzmuster, die ich für gesellschaftlich und nicht für natürlich halte."

Was ist schon natürlich :-)

Wenn ich nach Schnittstellen zwischen beruflichem und privatem Tun suche, finde ich den kleinsten gemeinsamen Nenner im Ansatz der Nachhaltigkeit. Zugegeben, ein recht offenes Konzept, das sich jedoch herunterbrechen und konkretisieren lässt. Konsumkritik, Eigenarbeit, work-life-balance, Ressourcenschonung, Kompetenzentwicklung, umfassende Bildung und Entwicklung von Fähigkeiten, Einüben kultureller Praxen und Fertigkeiten - dies alles sind Berührungspunkte, die ich auf einer theoretischen, allgemeinen Ebene spannend finde und im Selbermachen für mich konkretisiere. Es geht sicher auch darum, der verkopften Erwerbs- und Schreibtischarbeit etwas konkretes entgegenzustellen, oder besser: diese zu ergänzen. Gerade beim Kochen liegt die Kombination für mich auf der Hand: Wo kommt unser Essen her? Unter welchen Bedingungen wird es produziert? Welche Folgen hat es wenn wir weniger als 10 Prozent unseres Geldes für Essen ausgeben?
Sich ausprobieren, was mit den Händen machen, etwas neu lernen, sich umfassend bilden, in (alten) Fertigkeiten. Wenn dies einher geht mit Anerkennung, Feedback, Wahrnehmung, netzwerken - umso besser.

Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Text, aber dennoch möchte ich anmerken, dass Männer, die sich für den Weg der typischen Hausfrau oder andere 'Frauenberufe' entscheiden, sich auch rechtfertigen müssen, auch belächelt werden. Dass auch Jungs sich im Erziehungsalltag gegen eine Übermacht der Frauen durchsetzen müssen. Dass auch Männer unterdrückt und misshandelt werden. In Rollen gezwängt werden.

    Das macht die Sache nicht besser, aber auch jeder Mann muss eben diesen stehen und manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Mädels das vergessen und glauben Männer haben es ungleich leichter, aber greift das nicht zu kurz?

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  2. Ich bin erst spät zu dieser Diskussion gestossen und mir geht es wie dir, die vielen Kommentare helfen nicht unbedingt, die eigenen Gedanken zu ordnen.
    Diese Diskussion ist -wie sollte es auch anders sein- voll von Aspekten und wird von unendlich vielen individuellen Seiten aus betrachtet.
    Deiner Forderung nach Reflektion der persönlichen Lebenssiutuation kann ich voll und ganz zustimmen.

    Ich finde es für mich immer wieder interessant, wie ich "merkwürdig" und irritiert reagiere, wenn in bestimmten Punkten Geschlchterrollen sich völlig umdrehen. Hier nur als Beispiel: Es irritiert mich sehr, wenn eine Frau (Haupt- oder Alleinverdienerin- allgemein vielleicht gebilligt, im Detail sicher häufig belächelt) ihrem Mann (der ggf. auch auf eine berufliche Qualifizierung verzichtet hat) im Fall einer Scheidung Unterhalt zahlen muß. Wenn Männer zahlen müssen finde ich das hingegen "völlig in Ordnung"...

    Und um swinging cats Hinweis auf den von Frauen dominierten Erziehungsalltag aufzugreifen: Als Mutter eines Sohnes kann ich nur bestätigen, daß es kleine Jungs tatsächlich nicht leicht haben.
    Sie wachsen auf und gelten in den ersten Lebensjahren als niedlich und süß. Und pötzlich, wie von einem Tag auf den anderen, werden ihre Lebhaftigeit, ihr Konkurrenzgehabe und ihr Rumgerangel als störend empfunden. Die Mädchen kriegen Kopfschmerzen davon und können sich nicht auf den Unterricht konzentrieren. Man gerät als Jungsmutter in eine seltsame Verteidigungsposition und beginnt für das Recht des Sohnes zu kämpfen, ein Junge sein zu dürfen.

    Ich könnte noch mehr vom Hölzchen zum Stöckchen (heißt der Spruch so??) kommen....und abschweifen....und zur eigentlichen Diskussion nichts beitragen....

    Ich werde die Diskussion hier auf jeden Fall mit Interesse weiter verfolgen.

    LG
    Wiebke

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  3. Ich finde es ist keine Entscheidung, "schön" und "schlau" zu sein.
    Attraktivität stellt sich genau dann ein wenn wenn man mit seinen Entscheidungen zufrieden ist, sich in einem Gewissen Maße eingerichtet hat und wohlfühlt und diese Entscheidungen nicht wieder und wieder infrage stellt und damit meine ich nicht an einem Punkt stehen zu bleiben sondern eine Basis von der aus man sich bewegt und orientiert, egal welchen Weg und welches Lebensmodel man wählt und sich schafft. Alle Möglichkeiten sind mit Kompromissen behaften, das ist Leben.
    ina

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  4. Hut ab, in deinem Nachdenken hast du die unterschiedlichen Aspekte, um die es in Cats Text ging, so auseinandergefieselt und so formuliert, dass sich davon wohl nicht so viele Leute angegriffen oder zumindest unter Rechtfertigungszwang gesetzt fühlen.

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  5. Tja, vor lauter unterschiedlichen Gedanken verknotet sich bei mir langsam das Gehirn.

    Etwas ab vom Thema, aber mir gefällt es sehr gut, wie du deinen Blog führst (das hatte ich glaube ich schon bei Cat angemerkt), da er eine gute Mischung aus nicht nur hübsch und dekorativ, sondern auch informativ darstellt. Aber ich mag das ja gerne und lese lieber die kantigen Blogs. Was wollte ich noch sagen?

    Achja, es ist wirklich so, dass Männer sich wirklich auch rechtfertigen müssen. Als mein Mann und ich uns vor acht Jahren die Erziehungs- und Geldwerte Arbeit geteilt haben, musste er seine Position dafür aufgeben (damals war das mit der Elternzeit noch anders geregelt). Heute muss er sich dafür rechtfertigen, dass ich momentan nicht arbeite (also für unsere aufgrund äußerer Umstände gemeinsam getroffene Entscheidung) - man macht es ja nie allen recht, aber man tut es ja auch nicht für die anderen - das ist nun mal so. Das Männer sich vielleicht weniger dafür rechtfertigen müssen mag daran liegen, dass Männer oft weniger Bedarf danach haben, sich kommentierend in die Lebensentwürfe anderer "einzumischen", Frauen machen das, glaube ich, viel häufiger. Es ist vielleicht ein Klischee - aber Männer reden auch weniger über solche persönlichen Sachen mit anderen (Männern). Vielleicht sollten sie das, denn sehr viele wollen diese Hauptverdienerrolle ja gar nicht haben - die macht nämlich auch ganz schön Druck - und viele würden gern mehr Erziehungsarbeit leisten - oder mal positiv formuliert: "mehr von den Kindern mitbekommen". Leider hat sich einfach in der Männerlebenswelt weniger getan in den letzten hundert Jahren als in der Frauenwelt, natürlich auch, weil Männer von vornherein natürlich die bessere Position hatten - aber das ist meiner Meinung nach ein Grund, warum es dort weniger Ambivalenzen gibt. Änderungen werden einfach mehr diskutiert, zumal es ja auf Frauenseite jetzt die Lebensentwürfe mehrerer Frauengenerationen auf den Kopf gestellt hat und immer noch im Wandel begriffen ist.

    Großer Bogen, und jetzt wird es ganz wirr: Politisch ändern kann man nur Dinge, über die geredet wird. Mein Gefühl sagt mir, dass auch ein Zusammenhang besteht zwischen Nicht- (oder Unter-) Bezahlung von Haus- und Erziehungsarbeit und dem Mangel an Männern in dem Bereich.

    Und es ist m.E. - aber damit komme ich jetzt wirklich auch zum Stöckchen ;) - keine gute Entwicklung, dass Bildung zunehmend in der Hand der Frauen liegt. Grundschullehrer finden sich zum Beispiel hier in der Stadt im Schnitt nur an jeder Schule einer! Erzieher- hab ich noch gar keinen getroffen. Und das wird eher schlimmer.

    Oje, noch so ein chaotischer Kommentar der vom Blogeintrag aus in alle Richtungen davonrennt ;)

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    1. Das mit den Grundschullehrern ist daoch auch wieder symptomatisch. Ein Grundschulleherer steht finanziell deutlich schlechter da als ein Gymnasiallehrer, er ist kein angsehender StR, sondern ein halber Kindergärtner (die es noch seltener gibt), der aus unerklärlicher Gründen null Prestige hat. Aber da liegt halt auch meienr Meinung nach in der allgemeinen Akzeptanz der Hase im Pfeffer, da mag man es privatpersönlich ganz ganz anders sehen aus der Gesellschaft kommt man nie ganz raus.
      Leider auch etwas wirr formuliert und wahrscheinlich überflüssig, da selbstverständlich von
      Julia

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  6. Ich habe deine Sicht auf die Diskussion mit Spannung erwartet und mit Freude gelesen. Ich finde, dass du in deinem Blog den Bogen zwischen Alltag, Hobby und Politischem ausgesprochen gut raus hast, das als Kompliment mal zuerst! Und dann möchte ich dir in vielem zustimmen, aber ähnlich wie "swinging cat"s Kommentar anfügen: Für Frauen und Männer gilt gleichermaßen: wenn wir das Ideal des partizipatorischen, emanzipierten Paares leben wollen, müssen wir uns oft verteidigen. Frauen wegen des "Rabenmutter"-Vorwurfs, oder eben weil sie sich gegen Kinder entscheiden. Männer aber auch, wenn sie z.b. ihr Recht auf geregelte Arbeitszeiten einfordern, um an der Erziehung ihrer Kinder teilhaben zu können. Wenn sie "kind-krank-frei" brauchen, wenn sie Elternzeit nehmen wollen oder wenn sie eine time-sharing Lösung anstreben. Der Wunsch all das zu tun, ist aber bei vielen Männern, zumindest in meinem Umfeld, da. Und bis das gesellschaftlich akzeptiert ist, werden sie auch noch viel kämpfen müssen.
    Viele Grüße
    Frau Siebenhundertsachen!

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    1. Vielen Dank, Frau Siebenhundertsachen und frifris. Ich freue mich sehr über Euer positives Feedback zu meinem blog. Ich hatte das schon in den Kommentaren gelesen und danke Euch. Man schreibt ja immer so ins digitale Nirvana und weiß letztlich nicht, was bei der einen oder der anderen der Leserinnen verfängt und womit sie etwas anfangen können. Danke!
      Melleni

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  7. Danke für deine sortierten, klugen Gedanken! Auch möchte ich, wie Frau frisfris noch lobend erwähnen, dass ich deine Mischung aus klug und schön sehr zu schätzen weiß und immer alle deiner Links folge, weil ich weiß, dass es eine anregende Lektüre sein wird. Danke dafür!

    Danke auch für die Erinnerung daran, dass unser Leben oft anstrengend ist, weil wir ständig Entscheidungen treffen "dürfen" und sich dazu das Leben "der" Männer vergleichsweise wenig geändert hat. Ja, so beobachte ich das auch und bin verwundert darüber, dass ich, obwohl ich in ganz anderen Kreisen jahrelang unterwegs war, wo Gleichberechtigung zumindest auch von Männern hin und wieder diskutiert wurde, einen Mann geheiratet habe, dem das Alleinverdiener-Frau-zuhause Modell so gut gefällt. Ich frage mich auch, warum er mich geheiratet hat, die doch so ganz anders ist und in sein Modell gar nicht hinein passt. Und dann merke ich, dass er es zwar ganz interessant findet, was ich denke, dass aber die ganze "Veränderungsarbeit" von mir geleistet werden muß - z.B. gerade heute morgen, als ich sagte, dass es mir so schwer fällt, jeden Morgen zur Kita zu spurten und wie toll ich das fände, wenn er das an zwei Tagen der Woche übernehmen könnte (abgeschmettert), Es gibt viel zu tun und das ist auch so etwas von politisch, aber nicht Teil meines monothematischen Blogs für das Fachpublikum.

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    1. und mein Mann hofft, dass ich bald wieder halbwegs vernünftig verdiene und er Teilzeit machen kann.;-)
      Viele Grüße
      Julia

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    2. Danke, liebe Meike, für Deine ehrlichen Anmerkungen. Ich kann da jetzt gar nicht was flottes zu schreiben a la: Na, dem würd ich aber was geigen... :-) Ich drück Dir die Daumen, dass Du beim Bretterbohren Fortschritte machst und Dein Mann sieht wie toll die Kita morgens ist, so entspannt, so friedlich :-)

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  8. Eigentlich, wollte ich dir jetzt noch was halbwegs geistreiches Schreiben, denn dein Text gefällt mir sehr. Doch jetzt bin ich schon wieder zu verwirrt wegen der ganzen Kommentare (außerdem hört jemand hier im Hintergrund Kassette) und melde mich lieber später nochmal...
    Viele Grüße
    Julia

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    1. Haha, das hätte jetzt von mir sein können. Vielleicht mache ich auch einfach keine Karriere, weil ich vor lauter Hintergrundbeschallung keine klaren Gedanken mehr fassen kann ;)

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  9. Ich sitz hier grad mit den Mädchen, deshalb nur ne kurze Meldung von mir zu Euren tollen Kommentaren. Danke!

    Die Benachteiligung und der Rechtfertigungsdruck, dem Männer ausgesetzt sind, die nicht dem gängigen Klischee des Ernährers entsprechen, ist ein Fakt, auf jeden Fall. Spontan würde ich aber sagen, das bestätigt meine These: es bewegt sich was. Klar, der Fortschritt ist eine Schnecke, aber immerhin.

    Ich glaube aber ganz ehrlich, dass es sich auch mitunter um ein vorgeschobenes Argument handelt. Ich glaube nicht, dass eine Großzahl der Männer so gerne relevante oder stärkere Verantwortung für Familienarbeit übernehmen würde und sich dafür auch einsetzen und quasi alle Arbeitgeber des Landes dieses abschmettern. Das gibt es, ohne Frage. Aber es lässt sich auch immer gut behaupten.

    Zu mehr schlauem komme ich grad nicht...

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  10. Vielen Dank für den interessanten Artikel, über den ich sicher noch eine Weile nachdenken werde. Mir fiel so viel ein, was ich dazu kommentieren wollte - und am Ende läuft es doch auf "Es gibt eben kein richtiges Leben im Falschen" heraus. Wir können im Privaten Strukturen ändern, schwer genug, und trotzdem ändert sich dadurch nichts von den Strukturen um uns herum, wie du ja schreibst.
    Ich bin Schriftstellerin, doch von meiner "Berufung" kann ich allein nicht leben, deshalb arbeite ich auch noch als Autorin fürs Fernsehen und ich bin Mutter von zwei halb-kleinen Kindern. Ständig stecke ich in dem Dilemma fest, wie ich die Balance zwischen den (nicht nur äußerlichen sondern auch innerlichen) Anforderungen halte und mich nicht selbst völlig verliere. Da hilft es auch nicht, dass ich - obwohl ich extrem viele qualifizierte Kolleginnen habe - genau nur eine kenne, die das gleiche Lebensmodel wie ich gewählt hat und sich den Job/ Familie wirklich von Anfang an mit ihrem Partner teilt. Ich werde für meine Verrenkungen nie die Anerkennung von außen kriegen, die ich verdiene, das ist mir durch einen (leider bitteren) Erfahrungsprozess klar geworden. Im Gegenteil. Wie oft mußte ich mich rechtfertigen oder mir anhören "na ja, wenn man arbeiten MUSS" - dabei WILL ich arbeiten. Und auch wenn ich weiß, dass ich sie nicht erwarten kann, fehlt sie mir trotzdem, die Anerkennung.
    Um vom Privaten den Bogen zum Bloggen zu schlagen:
    Beim Bloggen geht es um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Anerkennung, die uns wahrscheinlich allen im Alltag fehlt oder nur unzureichend entgegen gebracht wird. Insofern finde ich es nicht verwunderlich (oder verwerflich), dass Frauen in ihren Blogs das zeigen, präsentieren etc, wofür sie möglichst viel Anerkennung kriegen. Logisch: Für den immer nur halbgaren, oft verzweifelten Job-Kind-Spagat gibt's das nicht so schnell. Schneller für was Ästhetisches. Und es ist schöner, positives Feedback zu kriegen als negatives, was zwangsläufig folgt, wenn ich - wie du schreibst - "aggressiver" blogge. Deshalb kann ich das Bedürfnis nach Kuscheln in Blogs total verstehen.
    Ich schließe mich deinem Wunsch nach weniger Weichzeichner absolut an und finde die angestoßene Diskussion super, super wichtig, damit jede ihre eigenen Ansprüche an sich und ihren Blog immer wieder überprüfen kann. Aber ich finde, dass ein Blog trotz aller Öffentlichkeit auch ein "Zimmer für sich allein" sein kann, um die gute alte Virginia mal zu bemühen, dass er der Raum ist, den das schaffende Subjekt des Blogs endlich einmal frei gestalten kann. Sicher zu eskapistisch, wenn es nur um super schön dekorierte Zimmer und toll gelungene Torten und hübsche Kleider geht. Und dann ist genau diese Diskussion absolut notwendig. Aber manchmal fehlt einfach die Kraft, auf einem Blog noch einen Kriegsnebenschauplatz aufzumachen, oder?

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