Mittwoch, 27. Juli 2011

3 Abende - 3 Kleider. Teil I: Der perfekte Kleidschnitt

(Vorwort: Irgendwas hat mir hier heute das Layout
zerschossen. Sitze hier mit quengelndem Baby und 
bin genervt. Hätte das gerne noch optimiert, aber 
Zeit und Nerven sind zu knapp. Gelobe Besserung!)
 
Ich habe ein höchst ambivalentes Verhältnis 
zu liegengebliebenem Nähgut. Vordergründig 
am liebsten sind mir Sachen, die an einem 
Abend halbwegs fertig werden (also 
Nettonähzeit ohne Zuschnitt). Reißverschluss, 
Saum etc. kann dann gerne am nächsten Abend 
gemacht werden. Wenn Dinge länger dauern, 
zum Beispiel weil sie komplizierter sind, 
verliere ich mitunter die Lust - oder das 
Wetter schlägt um und sie sind nicht mehr aktuell 
im Sinne von: notwendig). 
 
So auch bei diesem Kleid (Simplicity 7411). Ich habe es 
in einer ersten Fassung  bereits aus einem sehr schönen 
großflächigen gemusterten Rosenstoff 
(von stoffe.de) genäht. Im Frühjahr dann die 
zweite Fassung aus einer lila Gebardine mit 
Stretch vom Markt. Das Kleid war so gut wie 
fertig - es fehlte nur noch der Saum 
(so meine Erinnerung). 
 
Und dann wurde es plötzlich und unerwartet Sommer 
- im April. Das Kleid erschien mir zu warm und 
zu dunkel- es blieb liegen.

Vorgestern - mittlerweile hatten wir ja auch mal Herbst :-)
- machte ich mich nun also an die Fertigstellung. Meine
Erinnerung ließ mich im Stich: Bei der ersten Anprobe stellte
sich raus, dass es mit dem Saum allein nicht getan war, auch der Reißverschluß musste neu eingesetzt werden. Grund: oben stand
das Kleid unschön ab, das konnte so nicht bleiben ("leider" hab ich diesen und weitere Fehler nicht im Bild festgehalten und kann sie
also auch nicht zeigen...). Also beherzt an die Änderung gemacht.

Gefühlte 5 Stunden (de facto waren es sicher drei oder vier Mal)
habe ich den blöden Reißer rausgetrennt. Immer stimmte irgendwas nicht. Grmpf. Letztlich hat es dann halbwegs geklappt. Der Reißverschluss erfüllt seinen Zweck, das Kleid sitzt körpernah und
das Oberteil ist im Zuge der ganzen Änderungen eine knappe Größer enger geworden - was noch ok ist. Das Gute an liegengebliegbenem Nähgut: Man hat auf einmal, wie durch Zauberhand (naja, nicht
ganz...) ein neues Teil im Schrank. WENN man den Bogen kriegt und das ganze fertig macht, was ich nicht immer mache - aber dann liegt auch immer daran, dass mit dem Schnitt was nicht stimmt, er nicht hält was er verspricht etc.

Das war in diesem Fall, wie ich finde, eine gute Entscheidung. Ich kenne zwar noch diverse Fehlerstellen am und im Kleid (vor allem IM Kleid - von innen werde ich es nie und nimmer zeigen!) aber so ganz pauschal betrachtet und ohne allzu kritischen Blick ist es toll geworden. Heute beim ersten Tragen meinte unserer Sekretärin: Hui, so schick. Hast Du noch was größeres vor?


Nö, heut ist der erste Tag nach 
dem Urlaub, da macht man sich doch 
schick, oder?


Zum Schwierigkeitsgrad: Also, die 
Fehler und Änderungen kann ich 
nicht dem Schnitt zuschreiben, 
das wäre nicht fair. Das habe schon 
ich selbst zu verantworten. 
 
Der Schnitt ist klar und die 
einzelnen Schritte sind gut 
beschrieben. Im Detail würde 
ich nur wenig ändern, und zwar 
den Schlitz erst nach der Einnaht 
des Reißverschlusses nähen - sonst 
entstehen, zumindest bei mir, 
unschöne Stellen mit zu viel/zu wenig 
Stoff und damit Dellen. 

Das Kleid trägt sich super und ist, wie ich finde ein 
echter Figurschmeichler. (Was die Fotos, wie der 
Liebste heute morgen bemerkte, nicht optimal wiedergeben).
Ich werde einen der Gebardine-Stoffe aus Aachen nochmal 
vernähen. (Rot? Curry-braun?) Der Schnitt bietet noch 
diverse Varianten, da wird sicher nochmal was ausprobiert. 
 
Alles in allem ein perfektes "kleines Kleid". 
Mein Votum: Sehr zu empfehlen.

Ein Nachteil hat es doch: Ich finde Radfahren mit so 
einem engen Rock gewöhnungsbedürftig. Da ist dann 
nicht mehr viel mit Figurschmeicheln. 
Und generell würde ich jeder empfehlen, einen Stoff 
mit Stretchanteil zu nehmen. Die Rosenstoff-Variante 
ist zwar super schön, aber nicht wirklich bequem. 
 
Was an dieser Variante auch ein bisschen kritisch ist: ich finde man kann so ein 
Kleid nicht mit Leggings kombinieren. (Oder?) Das Problem ist, wenn es warm genug 
ist für ohne Leggings (Strumpfhosen jenseits des Winters sind keine Option)
ist es eigentlich zu warm für diesen Stoff. Wenn jemand hierzu einen gute Idee hat 
freu ich mich. 

Ebenfalls gestern habe ich den Tellerrock nach dieser Anleitung gemacht - den 
zeige ich morgen. Und dann folgt noch ein weiteres Liegenbleiber-Teil, ein 
Simplicity-Kleid.
 
Wie ist das bei Euch mit Projekten: Werden sie immer sofort fertig 
gestellt - oder bleibt auch mal was bis zur nächsten Saison liegen oder 
bleibt gleich ganz unvollendet?

Melleni

Kommentare:

  1. Liebe Melanie, danke für deine ausführliche Erläuterung, worauf bei diesem Schnitt geachtet werden muss. Kann mir gut vorstellen, dass ein leichter Elasthan-Anteil hilfreich ist, damit es sich noch bequemer trägt.

    Deine Geduld zahlt sich absolut aus, das Kleid sitzt prima und du siehst klasse darin aus!
    Mit Leggings würde ich es auch nicht tragen. Wenn es etwas kühler ist, würde ich ein Jäckchen drüberziehen und geschlossene Schühchen dazu anziehen (vielleicht welche von unserem Lieblings-Schuhhaus Pennig in Warburg...) , die zum Kleid passen.

    Zu deiner Frage: Wenn ich etwas nähe, kommt es durchaus mal vor, dass es zwischendurch liegen bleibt, weil sich ein spannendes neues Projekt dazwischendrängelt :-) Aber das ist schön, wenn man sich diese Freiheit nehmen kann. Und dann kann man später mit neuer Energie an das "alte" Projekt gehen.

    Heute ist endlich Sommer, es ist nach gefühlten 100 Tagen wieder richtig warm - und mein Retropunktekleid ist eben fertig geworden. Da es ein Semi-Herbst-Kleid aus etwas festerem Stoff ist, war das ja klar (nach Murphys Gesetz).

    Ich wünsche dir noch eine schöne Woche! Hella

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  2. Also in echt ist es noch schöner! Und ich glaube, ich sollte den Schnitt vielleicht doch mal auf meine Wunschliste setzen...wirklich vielseitig.
    Auf den Tellerrock freu ich mich schon!

    Bei mir ist ein ganzer Korb voll mit Sachen, die noch einen kleinen Schliff bräuchten... seufz.

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  3. Das Kleid ist schön geworden. Bei mir bleiben die Sachen oft im zugeschnittenen Zustand liegen. Oft schneide ich mehrere Stücke gleichzeitig zu, einige werden dann sofort genäht und andere liegen dann so rum, da werden inzwischen schon wieder neue Sachen zugeschnitten ,und sie liegen immer noch bis die Saison vorbei ist und dann schaut es erstmal schlecht aus...
    Auf Leggins würde ich bei diesem Kleid verzichten. Wenn es kühl ist lieber Strumpfhose und geschlossene Schuhe und Jäckchen oder Stiefel und Mantel. Aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen, denn der Sommer kommt bestimmt zurück!
    Viele Grüße
    Julia

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  4. Ich finde das Kleid ausgesprochen schön und den Sitz sehr gut. Von Leggins würde ich auch abraten und zur klassischen Strumpfhose tendieren. Wobei ich da bei hautfarbenen noch keine wirklich schönen gefunden habe. Mal glänzen sie zu sehr, mal stimmt die Farbe nicht. Aber bei dem Wetter ist man ja in zugzwang. Vieleicht schau ich am Samstag mal beim örtlichen Strumpffachmann vorbei.
    Ich habe auch meist ein Projekt mit dem ich nicht weiter komme. Das befindet sich dann meist zur besseren Erinnerung auf der Schneiderpuppe. Aktuell befindet sich da ein dunkelblaues schmales Kleid und wartet auf Knopflöcher. Seit ca. 4 Monaten!!!
    Liebe Grüße
    Arlett

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  5. Das Kleid ist hübsch und steht dir gut. Ist doch schön, dass du mit dem Nähen nicht zu lange gewartet hast.
    In diesem Jahr habe ich endlich, endlich einen Rock, den ich vor etwa 10, eher 12 Jahren begonnen hatte, fertig genäht incl. Anpassung an das, was sich im Laufe der Zeit halt so am Körper verändert. Das war aber eine Ausnahme. Ich schau schon, dass ich auch nähe, was zugeschnitten ist. Bei mir bleiben eher Stoffe liegen und auf einmal verwende ich sie für was ganz anderes als ursprünglich vorgesehen.
    lieben Gruß von Friederike

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  6. Das Kleid ist wohl eher ein Strumpfhosen-Herbstkleid, was schade ist, denn das schöne Oberteil mit der Raffung und den kurzen Ärmeln könnte man im Sommer ja gut ohne Srickjacke tragen, das ist eigentlich ideal geschnitten. Ich habe auch so meine Schwierigkeiten, mich für das aktuelle Wetter passend anzuziehen - noch gebe ich nicht nach und die Stiefel bleiben im Schrank. Wenn Sachen ncith saisongerecht fertig werden, habe ich meistens auch keine Motivation, daran weiterzumachen - der Mantel vom vorletzten Nähtreffen wartet z. B. immer noch auf Knopflöcher, ich sag mir dann auch immer, dass das ja schnell gemacht ist, wenn ich ihn anziehen will. Klappt meistens, aber manche Sachen liegen auch länger als ein Jahr...

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  7. Oh - ich muss öfter bei dir vorbeikommen!! Das Kleid ist super! Es wäre perfekt für ein "Lass ich mir Schneidern"-Kleid in Vietnam. Leider, leider hab ichs nun zu spät entdeckt um es mir noch zu bestellen und muss dann wohl selbst nähen, wenn ich wieder da bin. :-)

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  8. Ach, das kenn ich auch. Das Blöde ist, dass ich nach einer Weile auch nicht mehr so heiß auf die Vollendung bin, entweder weil die Jahreszeit nicht mehr passt oder die ToDos auf der Nähliste viiieeel interessanter sind. Insofern toleriere ich einfach ein bis zwei unfertige Stücke als Normalzustand. Dann geht's eigentlich ganz gut ;-)
    Liebe Grüße,
    Juli

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