Eigentlich wollte ich diesen Post schlicht und ergreifend mit "Wertschätzung" überschreiben. Seit sich unser Nähbloggerinnenmarathon aufgelöst hat, ich zwei Stunden in der Sauna war, mit meiner Familie gegessen habe, mich auf ein morgen anstehendes zweitägiges Arbeitstreffen vorbereitet habe und alles hab sacken lassen, schwirrt mir dieses Wort im Kopf rum.
Für den Moment bin ich richtig platt. Im
letzten Jahr ging es mir anders, das Wochenende war für mich nicht so erschöpfend. Aber gut: dieses Mal waren es auch deutlich mehr Frauen als vor einem Jahr. Vom
Freitag und meinem Bauchflattern habe ich bereits berichtet.
Den Samstagabend verlebten wir mit gutem Essen und leckerem Wein in einer schönen Kreuzberger Lokalität, dem 3 Schwestern. Und dann: das große Treffen mit über 70 Frauen zum Brunch und Klönen in einem Kreuzberger Kreativ-Laden-Raum. In diesem Jahr gab es eine stattliche Ausstellung: Jede Teilnehmerin konnte ihre schönsten/schrägsten/liebsten Stücke mitbringen und präsentieren, wovon auch einige regen Gebrauch machten.
So waren die drei Räume voller spannender Frauen, die sich und ihr Können, ihr Hobby, ihre Leidenschaft präsentierten, miteinander lachten, sich kennenlernten oder sich über ein Wiedertreffen freuten. Für mich persönlich fühlte es sich sehr heimelig und heimisch an, was ein bisschen schräg ist, wenn man bedenkt, dass man sich eigentlich nur virtuell kennt.
Mir schien, wir knüpften unmittelbar da an, wo wir im letzten Jahr aufgehört und in der Zwischenzeit im virtuellen Raum weitergestrickt haben. Zu den bereits vorhandenen Kontakten kamen wieder neue, die sich hoffentlich in den nächsten Monaten vertiefen werden.
Das Treffen heute war eine klassische Stehparty - was auf der einen Seite vielleicht auch mein Gefühl des Erschlagenseins erklärt, zum anderen aber auch dazu beigetragen hat, dass wir rumkamen, in Bewegung waren und dadurch viele Gespräche geführt haben. Zumindest mir ging es so. Die Atmosphäre war entspannt, freundlich, fröhlich - ja, und eben wertschätzend.
Im virtuellen Leben wie vor allem im echten ist es ja so, dass wir nicht auschließlich Menschen treffen, die es gut mit uns meinen und die wir von ganzem Herzen mögen. Nein, das Leben ist kein Ponyhof und deshalb sind wir oft mit Menschen konfrontiert, die wenig förderlich sind für unsere Weiterentwicklung, die uns hemmen, die uns blockieren, ärgern, trietzen, die wir nicht ausstehen können oder an denen wir uns abbarbeiten. Wir sind oftmals voller Voruteile, nehmen höchst selektiv wahr, bewerten, verurteilen, lästern... Das alles zieht viel Energie und ist nicht gerade auf unsere Stärken orientiert.
Unser Treffen nun - und das Bloggen selbst auch - hat Frauen zusammengebracht, die unterschiedlicher kaum sein können: junge Frauen und ältere, Singles und Ehefrauen, Mütter, Studentinnen, Handwerkerinnen, Karrierefrauen, Frauen, die einem Brotjob nachgehen, solche, die sich vor allem um ihre Familie kümmern, solche die sich gerade neu orientieren, Selbständige, Angestellte, vom Land und aus der Stadt. Jede mit einer ganz eigenen Geschichte, mit Sorgen und Problemen, ihren Erfahrungen, ihrem Leben. So, wie sie da heute zusammengewürfelt waren, hätten sie sich niemals getroffen, wenn es nicht dieses gemeinsame Hobby - und das WWW natürlich - gäbe. Und jenseits aller Unterschiede stand dieses Gemeinsame heute zentral im Mittelpunkt dieses wirklich anregenden Tages. Klar bleiben die Unterschiede bestehen und die eine oder andere fand man vielleicht doch irgendwie zu schräg oder einfach langweilig. (In diesem Fall hilft vielleicht der schöne Leitspruch: Sammeln Sie Freaks!)
Gleichwohl habe ich eines ganz stark gespürt: Respekt vor dem, was die anderen machen, Interesse und vor allem eines: Wertschätzung.
Und ist es nicht das, woran es oftmals so sehr mangelt wovon wir gar nicht genug bekommen können?Wertschätzung und Respekt für das, was man macht.
Ich gehe aus diesem Wochenende mit einem Gefühl großer Zufriedenheit, Freude über ein überaus gelungenes Wochenende und der Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr wieder daran anknüpfen können - und in der Zwischenzeit diese neuen Impulse weitertragen.
Wem das jetzt zu pathetisch war - oder Einsprüche sonstiger Art hatte, sich über den Kuchen oder die Suppe beschweren will oder noch ein Herzchen auf den Bildern gesetzt haben möchte: immerzu, bitte einfach nen Kommentar hinterlassen.
Habt einen guten Wochenanfang
Melleni