Freitag, 30. November 2012

"Wie, Du stillst nicht?"

Quelle: hier

Die Aussage: "Ich stille mein Kind nicht" kommt heute einer Selbstanprangerung gleich. Stillen ist ein Muss, Distinktionsmerkmal der guten, weil fürsorgenden und liebenden Mutter. In bestimmten Kreisen gehört es einfach dazu zu stillen und wer sich dem entzieht, womöglich freiwillig und mit Bedacht, steht im Generalverdacht: nicht genug zu geben, nicht genug zu lieben, nicht genug zu tun - für sein Kind, dem man doch alles schuldig ist. Man will ja nur das Beste für sein Kind. Und Stillen - das weiß doch jedes Kind - ist nunmal das Beste, die Creme de la Creme, der Goldstandard.

Nun, ich gehöre zu diesen Müttern: Ich habe meine Kinder nicht* gestillt.

Ich bin Stillverweigerin. Oha. Etwas schlimmeres kann man seinem Kind kaum antun, wenn man die veröffentlichte Meinung und die gängigen Mütterdiskurse als Maßstab nimmt.

Das Stillen unterliegt gewissen Moden: je nach sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen wurde mal mehr, mal weniger gestillt. Ich wurde zum absoluten Still-Tiefstand Mitte der 1970er Jahre geboren und gehöre damit selbst zur Generation von Kindern, die tendenziell nicht gestillt wurden. "Das war damals einfach nicht üblich" - diesen Satz haben sicher viele meiner AltersgenossInnen gehört. Es folgte eine Stillrenaissance, die bis heute anhält und gespeist wurde durch eine ökologische Rückbesinnung und neue Natürlichkeit, einher gehend mit der Emanzipation von den strikten, als frauen- und kinderfeindlich angesehenen Vorgaben des medizinischen Personals und anderer Autoritäten. Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Kind war ohne Frage eine Befreiung aus dem engen Korsett medizinisch-patriarchaler Vorgaben, Regeln und Praktiken von Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft.

Mittlerweile jedoch hat sich diese Befreiung in ihr Gegenteil verkehrt: Es herrscht Stillzwang! Statt Selbstbestimmung gilt es, Frauen, ob sie wollen oder nicht, über die unzähligen Vorteile des Stillens und die ausschließlichen Nachteile der Flaschenernährung "aufzuklären". Es ist eine neue Dominanz von ExpertInnen zu beobachten, die den Frauen erklärt, was sie zu tun, zu fühlen und zu unterlassen haben, was "natürlich" und "normal" ist - und was nicht. Einher geht diese Expertenorientierung mit einer Traditionalisierung des Mutterbildes.

Am extremsten vertritt dieses die La Leche Liga (LLL), eine internationale Organisation, die in 78 Ländern tätig ist und Beraterstatus bei UNICEF und WHO genießt. Internationale Empfehlungen und Aktionspläne lesen sich wie direkt aus der Feder der LLL geflossen. So empfiehlt die WHO in den ersten sechs Monaten das "ausschließliche" Stillen und darüber hinaus das Weiterstillen (unter Gabe angemessener Beikost) bis zum zweiten Lebensjahr - und darüber hinaus! Das Stillen ist idealerweise durch beide Partner dieser "Stillbeziehung" im gegenseitigen Einvernehmen zu beenden. Die WHO empfiehlt also das Langzeitstillen (LZS) von Kleinkindern, das de facto nur von einer Minderheit der Frauen praktiziert wird. Mich erinnert das fatal an die katholische Kirche, deren Dogmen - etwa zu Verhütung und Sexualmoral - über den Daumen gepeilt 99,9 % der Mitglieder nicht praktizieren.

Die LLL propagiert genau dieses von der WHO empfohlene LZS. In ihrem "Handbuch für die stillende Mutter" ist viel die Rede von biologischen Programmen und natürlichen Verhaltensweisen sowie den Bedürnissen von Baby und Mutter, die - von Natur aus, klar - identisch sind.
Mutter und Kind werden als untrennbare soziale und biologische (!) Einheit angesehen. Da passt kein Blatt zwischen - nicht einmal schon gar nicht der Vater. Der Vater wird in der Ideologie der Stillorganisationen LLL und AFS (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen) abgeleitet von der Mutter betrachtet, er ist "auch" wichtig, jedoch nie selbständiger Akteur, sondern ermöglichender Dritter einer harmonischen Stillbeziehung zwischen seiner Frau und seinem Kind. Die Debatte konzentriert sich auf die Mutter-Kind-Beziehung, die er möglichst nicht stört, im Idealfall unterstützt und aus der er weitgehend ausgeklammert ist. Klassische Geschlechterrollenarangements werden reproduziert, in der die Frau für Ernährung, Liebe und Fürsorge zuständig ist und der Vater für die Abteilung "Spaß und Spiel". Er spielt eine ergänzende und damit lässliche, zweitrangige Rolle im Leben des Babys.
Die Mutterrolle wird biologisiert und naturalisiert - und damit die faktische Wahlfreiheit "Brust oder Flasche - oder irgendwas dazwischen?" unterminiert.

Aber was heißt schon Wahlfreiheit? Wer die einfordert ereilt den Ruch des Egoismus - seit je her das schlimmste Stigma, das einem als Mutter in Deutschland aufgezwängt werden kann. "Du willst nicht das Beste für Dein Kind - und ich definiere was das Beste ist! -? Du RABENMUTTER!" Es geht um alles: Die Mutter hat es schließlich in der Hand, ob das Kind gesund bleibt. Wer kann dazu schon 'Nein' sagen?

Im Zentrum der Debatte stehen die dem Stillen zugeschriebenen positiven Gesundheitseffekte. Die Liste ist lang und wird ständig länger, hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Stillen schlau macht und jeder weiß, dass es vor Übergewicht, Allergien und Infektionen "schützt". Stillen werden langfristige gesundheitspräventive Wirkungen für Mutter und Kind zugesprochen. Allein die Länge der Liste der positiven Gesundheitseffekte scheint deren Evidenz zu belegen. Es wird suggeriert, dass statistische Zusammenhänge - in kausaler Ableitung - einen KONKRETEN Gesundheitseffekt haben.

Aber, so ist in den Foren und in der Ratgeberliteratur unisono zu lesen: "Stillen ist ja so viel mehr" - Stichwort: Bindung. Der Mutter wird nicht nur die Verantworung für die gesundheitliche, sondern auch für die psychosoziale Entwicklung zugesprochen, die sie durch das Stillen gezielt determinieren kann. Klar scheint: Wer (bewusst) nicht stillt, nimmt in Kauf, dass sein Kind zum emotionalen Krüppel wird - eben so wie wir Kinder der 70er - die lost generation, klar!

Die Debatten in den Mütterforen - beispielsweise im Stillforum bei eltern.de oder bei stillen-und-tragen.de - gipfeln mitunter in Sätzen wie: "Stillen gehört zum Muttersein dazu. Wer nicht stillen will, sollte sich überlegen, ob man überhaupt ein Kind haben will oder es nicht besser lässt." Puh... in welchem Jahrhundert leben wir nochmal?

Die Ratgeberliteratur hat sich weitestgehend die gerade skizzierte Sichtweise auf Mutter-(Vater)-Kind zu eigen gemacht. Stillen ist der normative Bezugspunkt, selbst in sehr moderaten Mainstream-Ratgebern (etwa aus dem GU-Verlag), in denen es sowohl ein Still- als auch ein Fläschchen-Kapitel gibt, in dem es dann heißt: "Auch wer nicht stillen kann oder will, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben,..." womit natürlich suggeriert wird, dass es durchaus angebracht sein könnte, ein schlechtes Gewissen haben könnte.

Deshalb war ich sehr gespannt, als ich vor Kurzem die Ankündigung las für einen Ratgeber "für Mütter, die nicht stillen wollen oder können" mit dem Titel: "Wie, Du stillst nicht?" Auch wenn gerade kein akuter Bedarf besteht habe ich mir das Buch umgehend bestellt und in einem Rutsch durchgelesen.
 

In meiner Bewertung beim großen online-Versand werde ich sehr wohlwollend berücksichtigen, dass es dieses Buch überhaupt gibt. Das ist ein Zeichen und ohne Frage schonmal prima. Die Autorin hält sich auch weitgehend an ihren Anspruch, Frauen kein schlechtes Gewissen wegen des Nicht-Stillens machen zu wollen und sie bei ihrem Weg zu unterstützen. Soweit also erstmal alles gut, sowas hat womöglich gefehlt auf dem Ratgebermarkt.

Jetzt kommt jedoch - natürlich - das große ABER: Abgesehen vom Stillen wird hier dann doch die ganze biologistische Mutterideologie verkauft. Tenor: Man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man nicht stillt. Das nicht. Dafür aber, wenn man die Defizite, die man durch das Nicht-Stillen erzeugt, nicht mit voller Wucht ausgleicht. Sprich: Wenn Du schon nicht stillst, musst Du alles daran setzen, die drohende Bindungsschwäche Deines Kindes zu verhindern. Aus diesem Grund empfiehlt die Autorin Frauen, die nicht stillen das sogenannte Beziehungsstillen, um die Bedürfnisse des Kindes zu befriedigen. Was das ist? Nun ja, das Kind anzulegen, ohne es zu stillen, also ohne es an der Brust zu ernähren, als Schnullerersatz. Das Stichwort, das die Autorin liefert, lautet: Mutterleibservice. Und den kann nunmal - na, wer errät es? - nur die Mutter leisten:

"Geht man davon aus, dass die Bindung zur Mutter als erste elementare Bindung im Leben eines jeden Menschen alle weiteren prägt, liegt es auf der Hand, dass das vermeintlich positive am Nichtstillen, nämlich als Mutter ersetzbar zu sein, ein großer Trugschluss ist. Ist es wirklich erstrebenswert, wenn andere Personen [aka der VATER] sich gleichwertig um das Kind kümmern können? (...) lesen Sie sich bitte noch einmal 'Die Bedürfnisse eines Babys' durch und verinnerlichen diese. Ideal wäre es, wenn nur Sie am Anfang den Mutterleibservice bieten. Gerade in den ersten Monaten sollten Sie sich möglichst selten länger von Ihrem Kind trennen. Das gilt insbesondere, wenn Sie ihm die Flasche geben."


Wie war das nochmal mit dem Expertentum?
Mir geht es - nur für den Fall, dass ich in den Verdacht gerate - nicht darum, pauschal das Stillen zu verurteilen oder ein Loblied auf die Flasche zu singen. Mich interessiert die öffentliche Diskussion und was sie mit Frauen und Paaren macht. Ich finde, erwachsene Frauen sollten sich selbstbewusst und eigenverantwortlich um ihr Kind kümmern - und die betroffenen Väter ebenso. Mir schwebt vor, dass Frauen und Männer im besten Sinne aufgeklärt an die Sache mit dem Stillen rangehen - wie an alles andere möglichst auch - und sich darüber klar sind, was das eine wie das andere möglicherweise für sie, ihre Beziehung und die Zukunft als Familie bedeutet. Ich möchte, dass Frauen nicht für dumm verkauft werden.

So wie in dem Buch: "Wenn Sie nicht stillen, muss Ihnen klar sein, dass einer von Ihnen - Ihr Partner oder Sie - nachts aufstehen muss, um das Fläschchen zu kochen." Ein Argument, das in Mütterforen immer wieder auftaucht, Stichwort: Flasche geben ist ja so unpraktisch. Warum die im nächsten Absatz genannte Thermoskanne, die man sich anschaffen sollte, um unterwegs eine Flasche zuzubereiten, nicht auch des nachts zum Einsatz kommen kann, bleibt unklar. Vermutlich stört sie die Bindung zwischen Mutter und Kind. Denn diese ist auf jeden Fall eines: magisch!

In Vorbereitung dieses Posts habe ich mich nochmal umgeschaut im WWW und eine kleine Sammlung sehr lesenswerter Artikel und Posts zum Thema erstellt. Bitte sehr: 

Nicole Althaus analysiert sehr kurzweilig den Kreuzzug im Namen der Muttermilch und MALMOE geht in "Mein Busen gehört mir" der Frage nach Wie Medizin, Verantwortungsdiskurse und Naturalismus stillunwillige Frauen moralisch erdrücken. Bereits 2009 ist ein Essay im Süddeutsche Magazin erschienen, der mich sehr amüsiert hat und der damals böse in der Stillcommunity diskutiert wurde: Die Nippel der Welt. Auf der Suche nach einer pragmatischen Hebamme, die meine Entscheidung nicht zu stillen "akzeptiert" (soweit sind wir schon...), sprach ich mit der Hebamme, die L1 auf die Welt geholt hatte. Im Laufe des Gesprächs erzählte sie mir, dass sie die Autorin Susanne Frömel betreut hatte und ihren Artikel wirklich gelungen und - oha! - lustig fand. Ich glaube, eine solche Hebamme zu finden ist wie die Nadel im Hauhaufen... Blogposts, die das Thema aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven und persönlicher "Betroffenheit" schildern, habe ich natürlich auch gesammelt: Regenrot schreibt über "Die dunkle Seite der Babyernährung" und greift den bösen Begriff der Stillnazis auf, den Susanne Frömel in der SZ schon benutzt hatte. Glücklichscheitern verwahrt sich gegen allzu übergriffige Fragen zum persönlichen Still- oder Nichtstillverhalten, ebenso wie Dr. Indie. Auch schön: Die Liste der häufigsten und nervigsten Fragen während Schwangerschaft und kurz nach der Geburt.

Hier und hier finden sich Artikel über den Umgang von nicht-stillenden Müttern mit dem gesellschaftlichen Druck, "der auf ihnen lastet", wie man so schön sagt. Frank Furendi, Soziologe an der Uni Kent, plädiert für das Ignorieren von Expertenmeinungen als Basis für die Koexistenz verschiedener Erziehungsstile. Und fuckermothers verwahrt sich in einem offenen Brief an die Nationale Stillkommission gegen den übergriffigen Griff an die Brüste, diskutiert die sich wandelnden Stillempfehlungen und setzt sich mit der Fragwürdigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse auseinander.

Last but not least: Der Lesetip "Der Konflikt" von Elisabeth Badinter, das ich, unmittelbar nach Erscheinen, im Wochenbett mit L2 gelesen habe - eine Zeit, die ich in wunderbarer, entspannter Erinnerung habe, trotz - oder gerade wegen... - meines renitenten Nicht-Stillens.

Melleni



* Sagen wir "praktisch nicht": L1 bekam ca. 10 Tage "die Brust", danach noch ein paar Wochen (weniger werdende) abgepumpte Milch. L2 wurde im Geburtshaus einmal angelegt, das war's.

Kommentare:

  1. Danke! Als nicht stillende Mutter kam ich mir auch oft "verstoßen" vor. Dieses Thema wird in der Öffentlichkeit leider vorrangig einseitig diskutiert.
    Ich fand es auch nie aufwendiger Fläschchen zu geben und ich behaupte jetzt mal frech das sowohl ich als auch mein Mann eine tolle Bindung zu den Kindern haben.
    Liebe Grüße
    Arlett

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    1. Tatsächlich bin ich eigentlich kaum komisch angesprochen worden, ich schätze, weil ich wirklich hinter der Entscheidung stand und in dem Moment, als ich aufgehört habe, mich zu quälen und ein entspanntes Verhältnis zu L1 entwickeln konnte, ich rundum glücklich war. Die Anfangszeit - diese 10 Tage - war tatsächlich die einzig wirklich belastende Zeit mit erstem Baby. Danach ging es uns dreien eigentlich durchwegs gut.

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  2. Sehr gut geschrieben!
    Ist es nicht traurig, daß überhaupt eine Diskussion darüber geführt wird? Ich würde nicht auf die Idee kommen zu fragen "stillst du?". Geht es mich überhaupt etwas an? Jede Frau sollte ohne schlechtes Gewissen entscheiden dürfen (und ohne Besserwisserei von "Experten"). Ich habe ein Kind gestillt, das andere Kind nicht. Die Bindung ist zu jedem gleich, oder sollte ich das jetzt mal hinterfragen?
    L.G. Anja

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    1. In einem der Foren hat das eine Frau tatsächlich mal geschrieben: Sie hätte eines gestillt, das andere nicht - und sie würde beide gleich LIEBEN.
      Im Ernst jetzt.

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    2. Bei so einer Antwort kann man nur verzweifelt lachen. (also, die der Frau, nicht du, melleni).

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  3. Danke für den Dankanstoß.
    Ich bin keine der Mütter, die andere verurteilen, weil sie etwas tun oder nichttun. Diese ganze "Stillen oder Nichtstillen - that ist the question"-Diskussion geht mir auf den Wecker...
    Nur kurz dazu: wir Menschen sind Säugetiere. Von Seiten der Biologie her ist es nun mal vorgesehen, daß unsere Neugeborenen an der Mutterbrust trinken. Punkt. Und nun kann jede machen, was sie will... :-)
    Lg, Sathiya
    (die zweimal jeweils knapp ein Jahr gestillt hat - na und? Ich bin deshalb keine bessere oder schlechtere Mutter als jede von uns)

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  4. Ich finde es ist eine individuelle Entscheidung. Ich habe mir davor und danach nie Gedanken gemacht sondern aus der Situation raus entschieden, was sich für mich und meinem Empfinden nach für das Kind, richtig anfühlt. Richtig mitdiskutieren kann ich da nicht, denn ich verschliesse und verschloss mich sämtlichen Erziehungs-und Stillratgebern, denn die sind mir alle viel zu ideologisch geprägt und ganz banal: ich habe keine Lust so Zeug zu Lesen, da muss die Not schon groß werden. Das einzige Babybauch, das ich gelesen und gut fand war "Babyjahre" von Largo, da wird das übrigens Thema Stillen und Fläschchennährung auch angesprochen, aber ganz kurz und nüchtern analysiert.
    Viele Grüße
    Julia,
    die sich oft als Rabenmutter fühlt, weil sie mit dem ganzen Erziehungs-, Kinder-, Familienklimbim nicht am Hut hat.

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    1. Im ERnst, Julia?!? Da bin ich jetzt aber ein bisschen geschockt. Du eine Rabenmutter?!?
      Gesunde Einstellung, sich dem zu entziehen. Ich hab ehrlich gesagt, auch sehr wenig gelesen, Babyjahre, Hilfe ich wachse etc. - damit konnte so gar nichts mehr anfangen...
      Liebe Grüße

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  5. Ich habe Deinen post sehr interessant gefunden obwohl Stillen bei mir kein aktuelles Thema mehr ist. Ich war und bin immer überrascht welche "Moden" es im Zusammenhang mit Kindern und Kindererziehung gibt und wie strikt die anderen Mütter darauf achten, dass man diese auch einhält. Ich selbst bin Jahrgang 1960, wurde nie gestillt. Ich bin in Südamerika geboren und damals war es dort nicht in Mode (außer vielleicht bei der Indigene Bevölkerung) zu stillen. Meine Mutter war STOLZ mich mit Nestle aufgezogen zu haben und hat sich sehr gewundert als ich meine Tochter, geb. 1987 gestillt habe. Damals war das ein unbedingtes muß und andere Mütter haben die Nase gerüpft als ich nach 5 Monaten aufhörte. Ich hatte nur mehr 43 Kilo und war ein Schatten meiner selbst - ich konnte nicht länger stillen. Zur Beruhigung aller, meine Tochter hat sich prächtig entwickelt und wir haben immer noch ein gutes Verhältnis obwohl sie nicht bis zum Kindergarten an meinem Busen hing.
    Wir Frauen sollten es uns nicht gegenseitig schwerer machen als es eh schon ist.
    Liebe Grüße aus Wien
    Teresa

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  6. Hallo Melleni,
    das war auch für mich ein wichtiges Thema... bei meiner Großen hab ich 13 Monate gestillt - 8 davon voll. Aus Angst, ich könnte Schuld sein, wenn es ihr an was mangelt. Im Endeffekt hat sie mit 2 Jahren eine schwere Neurodermitis bekommen, Allergien in Massen... da konnte auch keine Muttermilch helfen.
    Meine Jüngste dann war keine große Brusttrinkerin. 3 Monate lang haben wir ein Tänzchen veranstaltet. Sie tat mir weh, alles war entzündet... entspannte Zeiten waren Nicht-Still-Zeiten. Und dann hat sie die Milch verweigert. Und nach einer anfänglichen Panik war ich froh, erleichtert... es hing nicht mehr alles an mir. Wohl und Gedeih meiner Kinder war nicht mehr zu 100% meine Verantwortung. Vielleicht war ich auch Leer... körperlich und mental... und der kleine Wurm hat die Reißleine gezogen. Keine Ahnung. Aber: ich habe nie damit gehadert, nur kurz gestillt zu haben. Ich habe das Glück, beide Erfahrungen erleben zu dürfen. Egal was man tut - stillen oder nicht - irgendwen störts immer, irgendwer gibt immer seinen Senf dazu. Bei meiner Jüngsten hab ich gelernt, worauf es bei uns und eigentlich auch bei allen anderen ankommt: den Weg zu finden, mit dem alle am besten Leben können. Eine Lösung, die alle glücklich macht. Die Bindung zu meinen Kindern ist sehr gut, seit ich Luft für mich habe sogar noch viel besser... Ich glaube immer noch, der beste Rat muss sein, dass wir Frauen einfach wieder anfangen, auf unsere innere Stimme zu hören und nicht auf Experten - unsere innere Stimme, der Instinkt, den wir Mütter noch mehr haben als andere, sagt uns eigentlich immer, was das richtige ist. Wir müssen nur wieder lernen, darauf zu hören.

    In diesem Sinne
    Alles Liebe
    Die Pitti

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    1. Es gibt ja sogar die These, dass Allergien über das Stillen womöglich sogar weitergegeben werden.... Ich hatte mal Kontakt zu einer Frau, deren erstes Kind hochgradig allergisch war gegen die Muttermilch. Der Säugling quälte sich, wurde immer kränker - und die Mutter hörte überall: weiterstillen, weiterstillen, weitersteillen, Stillen ist das Beste. Bis sie auf den Trichter kam, dass die Probleme möglicherweise durch das Stillen erzeugt wurden. Ab da war das Kind "geheilt". Solche - natürlich extrem seltenen - Extremfälle werden als praktisch nicht existent abgetan bzw. reagiert das medizinische Personal da mitunter sehr einseitig. So wie es eben nach wie vor stillunfreundliche Praktiken im Krankenhaus gibt. Es ist halt alles sehr komplex...

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    2. @Pitti, Genau aus dem Grund verweigere ich mich der Ratgeberliteratur, ich hätte da Angst, meine innere Stimme nicht mehr wahrnehmen zu können. Ich finde auch wichtig, dass man als ganz konkrete Person und nicht als "Mutter" ganz allgemein versucht, eine Beziehung mit den eigenen, ganz konkreten Kindern in der eigenen, ganz individuellen Familie einzugehen. Da läßt sich wenig generalisieren, wenn man nicht schematisch miteinander umgehen will.

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    3. Ja, genau diese innere Stimme ist es, auf die wir hören sollten. Das betrifft ganz sicher nicht nur das Stillen oder eben Nichtstillen.

      Herzliche Grüße

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  7. Ich finde deinen Artikel sehr sehr gut und richtig. Für mich war das Stillen in den Achtzigern eine Befreiung und ich gestehe, das ich es mit Begeisterung gemacht hab.. Mein älterer Sohn ist übrigens trotzdem reichlich allergisch, Stauballergie etc, obwohl er ein Jahr lang gestillt wurde. Aber das Stillen hatte wirklich mit Selbstbestimmung zu tun. Wie kann es nur sein, dass Befreiung heute zum Zwang geworden ist?? Sind wir, oder halt die Mehrheit "zwangssüchtig"
    oder "moralsüchtig"?? Am Schlimmsten finde ich in der Tat den alten oder neuen Rollenzwang, der damit transportiert wird.
    Mein damaliger Partner hatte eine wunderbare Beziehung übers Wickeln und sonstiges Kümmern, Spielen usw zu den Jungs aufgebaut,
    es war aber für ihn auch schwer, gegen das Symbiotische des Stillens anzukommen. Man weiß ja schon lange, dass auch Männer
    "mütterliche" Eigenschaften entwickeln können, einschließlich Hormone usw. Das wird durch solch eine Ideologie massiv behindert, finde ich.
    Ach, ist das traurig, so eine Entwicklung.
    Ich sag nur "Befreien wir uns von Rollenzwängen,auch von neuen, "No gender no cry!"
    Oder, mit Nina Hagen
    "vor dem ersten Kinderschrein muss ich mich erstmal selbst befreien" Der Song hieß "Unbeschreiblich weiblich!"
    Es gibt keine Alternative zur Selbstbestimmung, oder?
    Also, meine volle Unterstützung für deinen Artikel.
    lieben Gruß
    Anna

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    1. Nein, die gibt es nicht.
      Ich stimme Dir ebenfalls zu und danke Dir für den Blick zurück. Ich kann mir das sehr gut vorstellen mit der Befreiung zur damaligen Zeit. Heute gibt es andere Zwänge...
      Melleni

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    2. @Anna: Ich stimme dir und Nina Hagen zu!!

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  8. Danke für diesen ausführlichen Artikel. Ich bin ja auch so eine, die es sehr genossen hat, nicht jede Nacht aufstehen und das Fläschchen machen zu müssen, sondern dass ich jede zweite Nacht durchschlafen konnte, wenn mein Mann dran war mit füttern. Ich glaube, das hat mich zu einer ziemlich entspannten Mama gemacht. Nie werde ich die Stille vergessen die im Rückblindungskurs (bei Kind eins) entstand, als ich das Fläschchen zückte. Es hätte im Raum auch nicht kälter werden können, hätte ich mein Baby eine gehauen. Das hat mich damals ganz schön angefasst. Bei Kind zwei war ich viel entspannter aber leider aus anderen gewichtigen Gründen in einem als stillfreundlich zertifizierten Krankenhaus (die Kriterien stammen auch aus dem Dunstkreis der La Leche Liga). Da war die Aufgabe des Personals, alle Frauen unter Druck zu setzen, damit die Quote fürs Krankenhaus stimmt. Eine Frau hat sich zu mir mit einer Mappe gesetzt und vorgelesen, warum Stillen am Besten ist. Ich glaube, ich hab sie rausgeschickt, aber die Mappe sollte ich mir bitte doch angucken. Es gab aber auch Krankenschwestern, die bei geschlossener Tür die Augen rollten wegen dieses Ansatzes. Alle Flure im Krankenhaus hingen voll mit Bildern von Milchbrüsten, ich fand das sehr zudringlich.
    Was ich echt seltsam finde ist, wenn Frauen die immer eine gleichberechtigte Partnerschaft auch in Bezug auf die Kinderpflege wollte nie nachdenken, ob die gemeinsame Fürsorge nicht auch ein zumindest nachdenkenswerter Aspekt ist. Dieser Stilldruck wird dermaßen als natürlichste Sache der Welt propagiert, dass es keine Wahl zu geben scheint. Historisch ist es ein absoluter Mythos, dass immer alle Frauen gestillt haben. Es gab das ausgedehnte Ammenwesen und es gab immer auch Substitute.

    Ich bin voll für die Freiheit zu stillen, aber ich bin auch dafür, dass das eine private Entscheidung sein darf, es zu lassen.

    Lg!

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    1. Mir fällt noch was ein in Bezug aufs Nähen - ich hab ja in meiner zweiten Schwangerschaft schon gebloggt und mir damals eine kleine Nachschwangerschaftsgarderobe genäht - da kamen einige Kommentare mit der Frage, wo denn da die Stillöffnung sei! Das fand ich doch eine sehr persönliche Frage.

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    2. Aber aber, als Muddi bist Du doch quasi ein öffentliches Gut, zumal als bloggende... Ich kann mich daran erinnern, auch an Deine Antwort und die etwas verdutzte Rückantwort der Fragerin: "Ach so, ja klar, muss ja nicht, kann ja jede selbst entscheiden." Na bitte, geht doch :)

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    3. RückBLINDUNGSkurs - sehr lustiger Dreher!

      "Nie werde ich die Stille vergessen die im Rückblindungskurs (bei Kind eins) entstand, als ich das Fläschchen zückte. Es hätte im Raum auch nicht kälter werden können, hätte ich mein Baby eine gehauen. "

      Haste nicht? Ich mein, nicht stillenden Müttern ist doch ALLLES zuzutrauen. Die schlagen bestimmt ihr Baby.

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    4. Du, ich hab jetzt den Beitrag noch mal gelesen und stolper über den begriff "Mutterleibservice" . Das kann doch nicht wahr sein, oder? Die Brust als Schnullerersatz? OMG. Nur die Mutter kann die Bindung gewährleisten? Das ist doch Ideologie. Sogar in so einem Buch, das ist schon traurig. Am Besten in den ersten Monaten immer körperlich beim Baby sein? Das erinnert mich an Mullerleibeigenschaftsservice. Sage ich, die ich meine Kinder mit großer Begeisterung am Körper getragen hat und die aber trotzdem auch mal zwischendurch gerne abgegeben hat. Meine armen Kinder.

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    5. Doch, das ist wahr, ich hab mir das nicht ausgedacht :) Sie meint das ernst...
      Und sie suggeriert in einer Tour - wie es ja in Ratgebern dieser Art üblich ist - dass man, wenn man nur dieses und jenes und das nocht tut, das Kind glücklich macht, dass es weniger schreit, ausgeglichen ist. Wenn - dann. Müssen nur wolln...
      Zwischendurch auch mal abgegeben? Ich nicht! Keine Ambivalenzen bitte.

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    6. Catherine, auch wenn es nicht zum Lachen ist, eigentlich - aber über dieses eisige Schweigen im Rückbildungskurs musste ich jetzt doch lachen. Oh, ich kann mir das soooo gut vorstellen.

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    7. Nachdem ich bisher zwei Kinder gestillt habe, kann ich mir persönlich zwar nicht vorstellen, warum man sich freiwillig für die Flasche entscheidet. Ich würde aber niemandem reinreden. Das ist eines der vielen Themen, bei denen sich frau heutzutage zum Glück selbst entscheiden kann, und diese Freiheit sollten wir auch (gemeinsam) verteidigen. ;-)

      Aber zu dem Aspekt der Gleichberechtigung bei der Kinderpflege möchte ich gerne etwas sagen: Ich habe bei beiden Kindern nach 7 Monaten wieder gearbeitet - da ich selbständig bin, auch vor Ablauf der 7 Monate mal abends oder am Wochenende ein bisschen. Nach 7 Monaten war mein Mann "dran" mit weiteren 7 Monaten Elternzeit. Beide Kinder habe ich zu dem Zeitpunkt noch quasi vollgestillt, weil sie nichts anderes wollten. Es hat alles prima funktioniert.

      In meinem Bekanntenkreis haben alle Mütter gestillt und alle Väter haben zumindest vier Monate Elternzeit genommen. Eine Ärztin hat nach 2 Monaten wieder gearbeitet, Schichtdienst im Krankenhaus, die Tochter ging in die Krippe und sie hat vollgestillt (tagsüber abgepumpt). Auf der anderen Seite kenne ich keine einzige "Flaschenmama", deren Mann mehr als die beiden Alibimonate Elternzeit genommen hat.

      Frappierend, ich habe gerade zum ersten Mal darüber nachgedacht. Aber irgendwie erklärbar, denn das Stillen ist ja heutzutage mit dem Bildungsniveau stark korreliert und Männer gebildeter Frauen nehmen eher Elternzeit... also scheint die Gleichberechtigung doch eher eine Frage des Willens und der Organisation zu sein als des Stillens oder Nichtstillens?

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    8. Niemand sagt, dass Flaschenmütter emanzipiert sind und Stillmütter nicht. Ich kenne auch Paare, die gleichberechtigte Elternschaft hinbekommen haben, deren Kinder gestillt wurden. Und vermutlich gibt es ohne Ende Paare, bei denen ausschließlich die Mutter nachts das Fläschchen macht.
      Es geht mir nicht so sehr um die individuelle Ebene, dann würde ich jetzt sagen, dass mein Mann beide Male mehr Monate Elternzeit genommen hat als ich. Aber das ist doch auch gar nciht der Punkt.

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    9. Nein, in deinem Artikel ist das nicht der Punkt. Aber Catherine hatte oben die berechtigte Frage aufgeworfen, ob die Flaschenernährung nicht einen Beitrag zur Gleichberechtigung liefert, weil sie eine gleichmäßig verteilte Fürsorge ermöglicht.

      Und (nur) darauf hatte ich mit meiner ganz persönlichen und nicht repräsentativen Erfahrung geantwortet, dass das zwar theoretisch so sein mag, aber ich in der Praxis nur andere Beispiele kennengelernt habe. ;-) Das brannte mir auf den Nägeln, weil ich die Bereiche Arbeiten und Stillen als wunderbar miteinander verbindbar erlebt habe und es immer schade finde, wenn Mütter glauben, sich dazwischen entscheiden zu müssen.

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  9. hallo -als "alte" Mutter- 4 Kinder geboren 1979-.82-88-92) kann ich nur sagen: in den 80er Jahren war das noch schlimmer! es war die Zeit der neuen Mütterlichkeit. Keine Schmerzmittel bei der Geburt und Stillen rund um die Uhr.Wir sollten ja so "selbstbestimmt" sein! Ich war da ein Exot- wollte kein Rooming-In und wollte nicht stillen! Habe sogar meine Kinder geweckt und rhytmisiert! War die einzige Frau damit in meinem vorwiegend aus Sozialpägoginnen und Lehreinnen-Freundinnen-Kreis und die fast einzige Mutter die nicht völlig genervt und überfordert war und die einzige Mutige (Übermütige) die mehr als zwei kinder bekam.Ab dem dritten Kind sagte übrigens keiner mehr was über meine "Methoden". Meine Kinder sind alle so normal und mit soviel Macken geworden wie die Stillkinder. Die sind auch "gut" geraten,nur die Frauen haben auch heute noch die Babyzeit als Horror in Erinnerung. Das finde ich einfach schade.Habe allerdings beruflich verschwiegen,dass ich überzeugte Nicht-Stillende war(Familienbildungsstätten)Interssant fand ich Ende der 90er und Anfang 2000: in den Kursen der Famb.,München)) stillten alle Akademikerinnen(alle sehr gestresst)-Kinder mit Mull und reiner Wolle gewickelt und im Landkreis fütterten alle Frauen (überwiegend keine Akademikerinnen) ziemlich entspannt Milupa und die Kinder aßen Bahlsenkeks (sehr verwerflich),keine Dinkelstangen.Auffällig auch- Die Stillkinder hatten Blähungen und häufig Neurodermitis- die Landkreiskinder(keine Bauernhöfe)waren fast alle davon verschont. Ich ziehe daraus keine Schlüsse,wie auch,aber ich fand das damals schon "merkwürdig",zumal mir Kolleginnen das auch bestätigten....- vielleicht liegts an entspannten oder nicht entspannten Müttern?
    Grüße aus Bonn,selberschön

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    1. Danke! Sehr anschaulich und lustig...
      Ja, da könnte was dran sein...
      Ich hab die Babyzeit auch als überhaupt nicht stressig in Erinnerung, beide Male war es eine entspannte Zeit. Allerdings mit Dinkelstangen, ohne Bahlsenkekse :)))

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    2. Bei mir gibts Dinkelstangen und Bahlsenkekse. Mit den Babys fand ich es viele entspannter als jetzt mit einem 3jährigem und einem Schulkind. Meinetwegen hätte die Babyzeit gerne ein bisschen länger sein dürfen.

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  10. Hallo Melleni,

    hm, also ehrlich gesagt strömt mir aus Deinem Artikel v.a. Agression
    entgegen, als würde Dich IM MOMENT jemand wegen Deines Umganges
    mit dem Stillen attackieren....... und Du führst zu Deiner Verteidigung alle Dir jemals zugänglich gewesenen Quellen an.
    Ich finde es merkwürdig, sich ein Stillbuch zu kaufen, nur um es
    "auseinanderzunehmen".
    Hast Du Angst, dass Du etwas "falsch" gemacht hast ?........v.a. in puncto Bindung?
    Selbstbestimmt leben war und ist und wird immer eine Herausforderung sein. Bleibt nur: es zu tun.
    Wir Menschen sind Herdentiere,sprich wir sind niemals frei von der
    Resonanz durch andere und wir sind sowas von verschieden, dass es immer wieder an gegenseitigem Verständnis mangelt und mangeln wird.
    Ich glaube, dass Deine in diesem Artikel deutlich spürbare Agression etwas Grundlegendes mit Dir selbst zu tun hat..........
    und letztendlich nichts mit dem Stillen.

    Liebe Grüße
    Monja

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    1. Oh, da kann ich Dich beruhigen, wir müssen nicht tiefenpsychologisch an das Thema rangehen: Ich befasse mich beruflich mit dem Thema und deshalb habe ich mir das Buch gekauft. Ich hab es nicht gekauft um es auseinanderzunehmen. Ich war sehr gespannt auf das Buch, da ich schon ewig die Idee habe, etwas ähnliches zu machen.
      Wo genau "spürst" Du "Agression"?
      Tatsächlich wurde ich nie und werde schon gar nicht aktuell "attakiert", meine Kinder sind dem Babyalter längst entwachsen. Und ich hab mich auch noch nie verteidigt. Ich versuche ja gerade von der individuellen Ebene zu abstrahieren und das Thema in einem größeren Zusammenhang zu betrachten.

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    2. Ehrlich gesagt finde ich es auch seltsam, in diesem ziemlich sachlichen, wenn auch ein wenig sarkastischem Text Agression herauszulesen.
      Interessantes Thema jedenfalls. Meine Mutter hat auch mal erzählt, daß sie damals ziemlich genervt war von Sachen die MAN tut oder nicht tut. Nach dem Motto "Schreien stärkt die Stimme". Da wurde doch immer schon ziemlich viel Quatsch erzählt. Ich bin defintiv auch für Selbstbestimmung. Nur Gedanken machen sollte man sich. Ich würde sogar unterstellen, daß viele der nicht-stillenden Mütter sich mehr Gedanken gemacht haben als die, die sich einfach nur an irgendwelche kruden gesellschaftlichen Regeln halten.
      Wenn ich mal ein Baby habe, möchte ich schon stillen, aber wenns nicht geht, dann ist es auch ok.
      LG Lotti

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    3. Puh, Monja, du gibst ja ein gutes Beispiel für die psychologisierende Besserwissenschaftlerei her, nicht schlecht ;)

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  11. Hear hear. Dass wissenschaftliche Ergebnisse (gerade zu öffentlich und kontrovers diskutierten Themen) nicht so objektiv sind, wie sie vorgeben, ist ja die eine Sache. Eine andere aber verstehe ich überhaupt nicht: Wie kann man eine aktuelle Erkenntnis als _die Wahrheit_ begreifen, frühere Moden als veraltet und überholt und dann nicht darüber nachdenken, dass man das in 10 Jahren über derzeitige Trends auch sagen wird?
    Ist doch schräg!

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    1. Das hab ich mich auch schon oft gefragt. In den Foren werden die Mütter, vor allem Schwiegermütter, die einen mit längst überholtem Wissen nerven, regelmäßig gebasht. Das passiert in einer Überheblichkeit des sich auskennens und der Allwissenheit, die erschreckend ist. Man müsste doch mal auf die Idee kommen, dass jetzt nicht das Ende der Geschichte der Säuglingspflege/ernährung anbricht und das heutige Erkenntnisse, Einstellungen und Praktiken in der Zukunft heillos veraltet sind/scheinen. Strange.

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    2. Mir sagte mal eine Kundin (Hebamme), daß man sich bloß nicht in solchen Foren informieren sollte. ;-)

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  12. Wirklich Schade das stillen oder nicht stillen diskutiert werden muss.
    Ich vermisse dabei immer etwas die Väter... wie Catherine auch schon geschrieben hat. Was habe ich es genossen nach 2 total anstrengenden Nächten im Krankenhaus (irgend ein Kind schreit schließlich immer...) einfach schlafen zu können und mein Mann fand diese ruhigen Momente mit Baby und Fläschchen total toll. Ich denke auch das wir drei... und dann später 4 und 5... wesentlich entspannter waren.

    Im Krankenhaus, hatte ich den Eindruck, dachte man ich wäre wohl Alkoholiker oder Kettenraucher, oder anders "krank" ... weil sonst hätte ich ja...

    Liebe Grüße
    silke

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    1. Ich hab auch bei beiden Kindern nicht gestillt, beim ersten Kind bin ich bei den Versuchen gescheitert. Ich hatte allerdings schon in der Schwangerschaft mehr Angst vor dem Druck stillen zu müssen und als vor der Geburt. Ich war auch an eine Hebamme geraten, die das gänzlich vertreten hat. Die grüßt mich heute, nach 9 Jahren, noch vorwurfsvoll. Ich hatte das Gefühl, die sah mein "nein" als ihr persönliches Versagen. Beim zweiten Kind hab ich mich bereits am Anfang der Schwangerschaft gänzlich dagegen entschieden und als dann die ersten 4 Monate mit Baby vorrüber waren, wusste ich... das haste richtig gemacht! Ich finde genau wie Silke, dass einer der Vorteile der Flaschenernährung ist, dass die Väter von Anfang mit eingebunden werden können und denen das auch richtig gut tut. Mein Mann hat immer die Nachtschicht übernommen (hoffentlich werde ich jetzt nicht gelünscht ;)), Männer haben ja oft den Vorteil, sich hinlegen zu können und sofort einzuschlafen, was ich z.B. nicht so einfach kann) und wie bei Silke war es bei mir auch so, dass ich im Krankenhaus kein gutes Los hatte mit meiner Einstellung und nicht nur da (Müttertreffs, Spielplätze, Partys wo mehr als zwei Stillmütter waren und und und). Die Rückbildung war ein Grauen, denn ich musste mein Baby ja nicht mit hin schleppen ;;;)))) und das war manchen Müttern schon sehr suspekt, wie kann die nur bla bla bla.... Ja, es gibt ja auch noch Väter, die aufpassen können, damit Frauen was für sich tun können, oder nicht.
      Allerdings bin ich inzwischen auch froh, dass ich mich akut nicht mehr mit dem Thema auseinandersetzen muss und inzwischen größere Kinder habe.
      Melleni, danke schön für diesen Text!!!!!!! Es gibt viel, viel zu wenig Texte davon und mein langes warten darauf, hat sich gelohnt.
      Vera

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  13. Interessanter Artikel, die Idee des "Mutterleibsservice" ist ja wohl total schräg. Ich soll das Kind an die Brust anlegen und dann aber EXTRA Flasche machen???
    Ich hab meine beiden Kinder gestillt, je 6 Monate voll, dann noch bis etwa zum ersten Geburtstag. Aber ich hab das nie zur Ideologie gemacht, ich fand es für mich einfach am bequemsten, beide waren aber auch unkompliziert in der Hinsicht.
    Ich finde das Engagement der LLL nur in einer Hinsicht tatsächlich wertvoll - wenn es darum geht, Frauen in Entwicklungsländern (wieder) zum Stillen zu bringen. Dort gehen massiv Konzerne wie Nestle nach vorn und verteilen da ihr Milchpulver. Und da ist Flaschennahrung eben total widersinnig, weil das Wasser ja oft nicht sauber ist. Trotzdem denken da viele Mütter, sie tun ihrem Baby was besonders gutes, wenn sie die gute Nestle-Flasche geben.
    Hier in Deutschland empfinde ich das als Luxusdebatte, als ob man keine anderen Sorgen hätte. Und die Entscheidung Stillen oder nicht, ist für mich ja sehr privat.
    Wobei man ja in der Schwangerschaft eh mitbekommt, wie wenig privat oder intim man plötzlich ist - wie oft fassen einem z.T. wildfremde Leute auf den Bauch etc.
    LG Ute

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    1. Ich stimm Dir absolut zu. Unter widrigen hygienischen und sozialen Bedingungen ist es verbrecherisch, Frauen vom Stillen abzuhalten. Nestle hätte ich meinen Kindern auch nie gefüttert... nur die gute Biomilch von Onkel Hipp :)
      Ich denke auch, dass LLL (vermutlich) gute Dienste leistet wenn man akut fachkundige Hilfe braucht. Da sind die sicher sehr versiert und helfen. Aber die Ideologie dahinter...

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    2. Ich glaube schon, dass es etliche Frauen gibt, die gern stillen WOLLEN und denen die LLL hilft, wenn es Probleme gibt. Aber man bzw.frau sollte halt immer im Blick haben, dass man wegen der Ernährung des Kindes stillt und nicht um des Stillens wegen.

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    3. Stimme deiner Meinung voll zu. Das mit den Frauen in Entwicklungsländern und auch mit der Luxusdebatte, obwohl ich glaube, dass Zwängen (in diesem Fall: Stillen aus Angst vor Umweltschäden) immer Ängste zugrunde liegen, für die ich schon Verständnis habe. Die Grenze zwischen Angst und Zwang wird halt häufig überschritten, das finde ich das Dilemma, und dann wird es einseitig.

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    4. Hallo, ich habe gerade alle Kommentare bis hier hin durchgelesen und ich freue mich, dass endlich auch der Punkt kommt, dass die LLL in anderen Ländern dabei hilft, Frauen eine selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, dassnicht abhängig von Versorgung mit Milchpulver ist. Natürlich können wir Eltern das hier in Deutschland ganz anders entscheiden und uns daher auch ganz andere kritische Fragen stellen.
      Ich habe zwei Kinder und beide gerne gestillt, ich habe mich gott sei Dank gar nicht so in die "Fachliteratur", Foren und Zeitschriftn eingelesen, weil ich das schon immer etwas affig fand. Das Stillen war für mich eine ganz natürliche Konsequenz, es hat geklappt und mir auch viel Freude bereitet.
      Ich lerne auch immer öfter Frauen kennen, die bewußt nicht stillen (nicht weil es nicht klappt, o.ä.) und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich da auch manchmal stutzig werde und ich finde mich dann immer selber scheiße in dem Moment ;-) Also ich bin auch so eine die dann vielleicht kurz etwas doof guckt, woher das kommt kann ich leider auch nicht so genau sagen.
      Ich freue mich über jede freie, selbstbestimmte Frau, ich bin gegen alte Rollenklischees und für ein mehr an Vätern in der Erziehung und dennoch ist irgendetwas in mir noch so blockiert, dass auch ich das Stillen noch als das Beste ansehe und nicht die Entscheidung der Frau als wichtiger einstufen kann.
      Ich wollte mich jetzt hier mal einfach auch damit outen, denn ich finde das selber einen seltsamen Zug an mir und fand daher umso mehr deinen Artikel sehr spannend und für mich interessant.
      Vielleicht ist es wirklich immer noch das gesellschaftlich eingeimpfte Bild der "perfekten Mutter", gegen das ich ja auch oft ankämpfe....mmmmmh, ich werd' mal in mich gehen und weiter reflektieren.
      Danke für die Denkanstöße!

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    5. Gerne - und danke für Deine Gedanken.
      Melleni

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  14. Danke für deinen interessanten Post und den Raum für die Diskussion.

    Ich war in der Schwangerschaft so eingelullt von den "guten Ratschlägen", dass ich selbstverständlich davon ausging, zu stillen und war sehr sehr verwundert darüber, dass das nicht "einfach so" geht. Nach fast vier Wochen versuchen in denen ich nie mehr als 2 Stunden am Stück gedämmert habe, weil ich 24 Stunden an der Milchpumpe oder am Baby hing, habe ich es aufgegben. Dieses Aufgeben war so unglaublich schwer. Ich habe so viel geweint und hatte so ein schlechtes Gewissen, diese ganze erste Zeit, weil wir beide Allergiker sind und ich damit meinem Kind nun wissentlich das antue. Erst ab der 5. Woche konnte ich die Zeit mit Baby einigermaßen genießen, aber das schlechte Gewissen verfolgte mich und es war kaum auszuhalten, als das Kind dann Neurodermitis bekam. Mittlerweile, 4 Jahre später, sehe ich das gelassener. Mir half die Aussage eines Hautarztes, der meinte, dass unter Neurodermitis hauptsächlich die Eltern leiden. Seit dem wird das Kratzen weniger und das Thema Stillen hatte ich schon fast vergessen.

    Im Nachhinein, wenn ich deinen Post lese, bin ich echt verwundert, dass ich, die sonst sehr selbstbestimmt lebe, damals niemals das Gefühl hatte, ich könnte wählen.

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    1. Bei mir war es so, dass ich schon vor der GEburt recht reserviert und skeptisch war, was das Stillen angeht. Bin recht pragmatisch - aber eben auch naiv - rangegangen, nach dem Motto: entweder es klappt oder eben nicht. Naja, so einfach ist es ja nicht. Und obwohl ich noch in der Schwangerschaft mich bei der Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs mich beschwert habe, dass sie die Frauen nicht für dumm verkaufen soll und das Stillen auf die rosa Wolke stellen soll, hab ich mich schwer getan, aufzuhören. Nach dem Motto: Aber es ist doch das Beste... Obwohl mir klar war: Das zweitbeste ist meist gut genug. Als die Entscheidung dann gefallen war, war alles gut.
      Danke für Deinen Kommentar.

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    2. Ich hatte noch was vergessen:

      Mich wunderte im Nachhinein auch, dass ich im Vorfeld so wenig davon gehört hatte, dass das Stillen nicht von selbst klappt. Man liest immer nur "das Neugeborene sucht sich seinen Weg zur Brust" aber nirgendwo erfährt man, dass es eben bei einem Teil der Frauen nicht einfach so klappt.

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    3. Ich kenne viele Geschichten darüber, dass das Stillen zeitweise (meist in der Anfangszeit) nicht gut geklappt hat. Bei mir war der Start auch etwas schwierig. Ich hatte im KH "Hilfe" von mäßig interessierten und absolut uninformierten Schwestern, und meine Hebamme war auch nicht gerade auf dem neuesten Stand der Dinge, was das Stillen anging. Hätte ich da die tolle, informierte, unideologisch-sachliche und gelassene Stillberaterin gehabt, die mir einige Monate später bei einem Stillproblem geholfen hat, wäre der Start vermutlich deutlich entspannter gewesen.

      Ich finde die Entscheidung, nicht stillen zu wollen, absolut legitim. Aber ich finde es schade, dass Frauen, die eigentlich stillen wollen, so oft an richtig schlechtem Fachpersonal scheitern und nicht die Hilfe bekommen, die sie am Anfang brauchen. Meist ist gar nicht viel Hilfe nötig, aber eben die richtige! Deshalb von mir Daumen hoch für die oft wirklich sehr engagierten, gut ausgebildeten Stillberaterinnen (muss ja nicht LLL sein, AFS ist vielleicht die "weltlichere" Variante ;-)).

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  15. Ich fand Stillen einfach schön............auch wenn es furchtbar anstrengend war.
    Ich fand auch 3 kleine Kinder haben total schön und ebenso anstrengend...tagein tagaus rund um die Uhr für sie da zu sein. Zeit für sie zu haben. Jahrelang.
    Jetzt sind sie erwachsen, und ich möchte diese für mich extrem konzentrierte Zeit in meinem Leben nicht missen.
    Meine Mutter wurde im Krieg geboren. Meine Großeltern waren Flüchtlinge. Stillen war notwendig, um zu überleben.
    Ich selbst wurde nach der Theorie des 4-Stunden-Rhythmus gestillt. Alternativ kam Trocken-Baby-milch auf. Das war damals innovativ, wie alles aus der Tüte.
    Meine Kinder habe ich nach ihren Bedürfnissen gestillt.Ich habe mich da ganz auf mein Gefühl verlassen und kein einziges Buch darüber gelesen.
    Andere haben es anders gemacht. Na und ? Ich fand es innerlich stimmig für mich und meine Kinder.
    Bei allem Verständis für den Gleichberechtigungsgedanken muss ich doch aus heutiger Sicht sagen: es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen.
    Das IST so und es IST auch gut so.
    Männer tragen keine Kinder im Bauch, haben die damit verbundenen Gefühle nicht, gebären nicht und können auch nicht stillen. Emotional hat mich das alles sehr bewegt, geprägt und sicher
    auch ein
    Die Nabelschnur zur Mutter ist eine andere als zum Vater. So empfinde ich es.
    BEIDE Beziehungsfäden sind wichtig, v.a. in ihrer Verschiedenartigkeit.
    So einen Säugling an der Brust, nein, dieses Erlebnis möchte ich niemals missen. Ist doch einfach ein Wunder.
    Liebe Grüße
    Marlene

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  16. und jetzt noch was - wie passt das zusammen
    unbedingtes Stillen,möglichst lang wegen der erwähnten Bindung und auf jeden Fall möglichst früh das Kleinstkind in die "Fremdbetreuung" wegen Bildung?
    oder ist es so - Stillen festigt so die Bindung,dass danach unbesorgt die Bildung an die Krippe abgegeben werden kann?
    Ich erlebe in meinem Umfeld da genauso eine heftige Debatte (unterschwellig) und auch so erbitterte "Gegnerschaften" anstatt jede Frau ihren Weg gehen zu lassen,wenn es ihr möglich ist. Bin ich froh,dass vor 30 Jahren sowas ohnehin nicht zur Debatte stand- mit Kindergartenzeiten von 8-12 Uhr und Grundschulen ohne OGS. Hortplätze nur wenn der Mann weg,gewalttätig und man selbst Alkoholabhänig war (etwas überspitzt).Mir hat die Stillpflicht damals schon manchmal den letzen Nerv geraubt!So hat die jetzige junge Frauengeneration auch ordentlich ihr "Päckchen" zu tragen.

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  17. Liebe Melanie,
    jetzt hab ich lange auf diesen Artikel gewartet und freue mich, dass ich ihn endlich lesen kann! Durch sämtliche Links konnte ich mich noch nicht klicken, aber das hol ich bestimmt nach.

    Ich weiß selbst nicht, warum mich dieses Thema fast 6 Jahre nach der Geburt der Kinder noch immer beschäftigt.
    Letztendlich war es ja GUT und sogar das Beste in unserer Situation, die Kinder nicht zu stillen, aber ich hätte selbstbewußter dazu stehen müssen, um sämtliche Einmischungen im Keim zu ersticken.

    Es ist anscheinend nach wie vor eine emotionale Diskussion und ich hatte ständig das Gefühl mich verteidigen zu müssen, wenn gefragt wurde, ob ich meine Zwillinge stille" ... nein, weil..." Gar nicht nötig!
    Als mir kürzlich (wie gesagt, sie sind jetzt fast 6!) wieder einmal gefragt wurde, ob ich gestillt hätte und nach einem knappen "nein" als Antwort gleich das "positive Gegenbeispiel " von der Freundin kam, die ihre Zwillinge sehr wohl 10 Monate voll gestillt hatte, antwortete ich nur noch: "wers mag - ich steh nicht drauf!" - Diskussion beendet! Hätte ich schon viel früher machen sollen!

    Aber wie gesagt: Flaschen waren für uns optimal und meine Kinder haben zu ihrem Vater exakt die gleiche intensive Bindung wie zu mir (OHNE Unterschied, liebe Vorrednerin). Sie sind gesund und schlau! Nicht übergewichtig und sind vor allen Dingen selbständig und selbstbewusst ... hab ich was vergessen? Na, toll sind sie :)

    Christel

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  18. Tja, wie man sieht, auch nach Jahren nach der Geburt bei vielen noch ein Thema, was sie umtreibt.

    Ich finde diesen Stillzwang auch schrecklich, und freue mich wenn ich Mütter mit Fläschchen sehe (echt!) weil ich denke, dass die meistens entspannter und selten dogmatisch veranlagt sind.

    Ich denke, es hängt auch damit zusammen das die Mütter inzwischen wirklich ALLES richtig machen wollen, denn es wird ja auch lange auf das Kind hingearbeitet, und ich denke dieser Stillzwang ist vor allem bei Müttern über 30 und gerne mit etwas höherem Bildungsgrad zu finden (nur so ein GEfühl). Man darf mir gerne widersprechen.

    Meine eigene Erfahrung lass ich lieber mal weg, das führt jetzt hier zu weit. Aber ich kann nur sagen, für die Frauen, bei denen sowieso nicht alles nur Glück und Rosa nach der Geburt ist, ist dieser Muttermilchdruck noch unendlich belastender. Und praktisch viel viel viel aufwändiger. Heute kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen: anlegen, stillen, pumpen UND Fläschchen geben - da bleibt wenig Zeit für, z.B., andere Geschwister. Nicht sehr entspannend.

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  19. Kinder oder keine Kinder.
    Selbst austragen, Samenspende, Adoption.
    Geburtshaus, Klinik, Hausgeburt.
    (Geplanter) Kaiserschnitt, PDA oder alles ganz "natürlich".
    Stillen oder Flasche.
    Tragen oder Kinderwagen.
    Hausfrau oder Karrierefrau.
    Oder vielleicht von jedem etwas?

    Wir treffen so viele Entscheidungen. Manche Dinge können wir uns nicht aussuchen. Wer sich über diese Themen dermaßen ereifert, hat wohl sonst nix zu tun.

    Mir ist nur wichtig, dass jede Frau umfassend informiert ist, welche Möglichkeiten sie hat. Dann soll jede bitte selbst entscheiden und die anderen dürfen interessiert nachfragen und "aha" sagen. Ich wünsche mir eine Kultur unter Frauen, in der wir uns gegenseitig helfen und voneinander lernen können. Ohne Druck und ohne den Anspruch, den einzig wahren Weg gefunden zu haben. Jede Frau muss ihren eigenen Weg finden.

    Je mehr Wege wir bei anderen Frauen beobachten können, desto freier werden wir uns fühlen, dass wir entscheiden dürfen, was für uns und unsere Kinder das Beste ist.

    Viele Grüße,
    Henriette

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    1. Ein wunderbarer, weiser Kommentar, jedes einzelne Wort davon.

      Er spiegelt in meinen Augen genau den Respekt wider, der diesem hochsensiblen, vielschichtigen, facettenreichen Thema gebührt.

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  20. Sehr interessant, Ihr Post, liebe Frau Talentfreischön. Er weckt bei mir längst Vergessenes, denn meine Kinder sind mittlerweile 14 und 17 Jahre alt. Den Großen habe ich gestillt, weil: 1. unkompliziert, 2. billig, 3. er hats gut mitgemacht. Die Kleine habe ich (nach ca. 4wöchigen Stillversuchen) mit der Flasche gefüttert, weil sie ein kleiner Piranha war und mir beim Trinken die Brustwarzen blutig gebissen hat. Und heute? Beide haben sich prima entwickelt und sind kerngesund, von Allergien u. Co. keine Spur. An die Still- bzw. Milchzeit denke ich fast gar nicht mehr zurück. Man sollte sie auch nicht überbewerten. Die Mutter, die glaubt, sie brauche das Stillen unbedingt, um eine Bindung aufbauen zu können, unterschätzt sich (und ihr Kind) gewaltig.

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  21. @ Claudia und Die Linkshänderin und Frifris: Danke für die weiteren Aspekte und die konstruktiven Kommentare. Ja, das Geschwisterding, das ist für mich auch so ein Aspekt. Immer wenn ich diesen ganzen "früher haben die Frauen halt gestillt" Quatsch lese, muss ich an meine Oma denken, die 11 Kinder bekommen hat, bevor es Wasch- und Spülmaschinen und Milchpulver gab. Wie konkret da der Mutterleibservice war, kann ich mir denken, allerdings war er mutmaßlich anders als von heutigen Stillverfechterinnen gedacht.

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  22. Mutterleibservice .... was für ein Ausdruck!!
    Genau in dem Augenblick, in dem sich das Stillen für mich wie Mutterleibservice angefühlt hat, habe ich damit aufgehört.
    Das war bei allen dreien etwa ums Jahr herum. Bei Nr. 3 hatte ich mir ernsthaft überlegt, nicht zu stillen, doch ich kann nicht anders (auch wenn so einiges in meiner pers. Situation für Flaschenernährung gesprochen hätte). Jede Frau sollte sich das Recht nehmen, selbst zu spüren, was ihr gut tut, was sein muss.
    Danke für dein Post!
    lg Petra

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  23. Das ist so einen emotionale und persönliche Debatte, aber gerade deswegen muss man doch das eine oder andere "auseinanderfriemeln".
    Die biologische Dimension des Stillens für das Baby, die psychologische Dimension für das Baby, die biolgische und psychologische Situation für die Mutter (auch Erwartungshaltungen, auf die du hier nun ganz besonders eingegangen bist) und die Dynamik innerhalb der Familie.
    Wenn du die verschiedensten Behauptungen aufzählst, was Stillen alles für die Gesundheit unserer Kinder leisten soll (Intelligenz, Allergiefreiheit, ...), dann basieren diese Behauptungen meist auf phänomelogischen Studien - die sehen einen Zusammenhang, keine Kausalität. Die Kausalität wird erst dann plausible, wenn erklärt werden kann, WIESO stillen einen Unterschied macht. Allerdings gibt es durchaus einen Mechanismus, der so einiges erklären kann: Muttermilch enthält "unverdauliche" Zucker. Zucker, die nicht von menschlichen Enzymen gespalten werden können. Aber bestimmte Bakterien, die natürlicherweise unseren Darm bevölkern leben bevorzugt von diesen Zuckern. Und die Balance der Darmflora beeinflusst wiederum nachgewiesener weise Allergien, Körpergewicht, etc. In diesem Punkt haben Stillbefürworter wahrscheinlich recht - stillen ist gesünder. Allerdings bin ich der Meinung, dass eine gestresste, todunglückliche Mutter auch nicht gesund ist. Und es gibt ja nun auch genug andere Aspekte, die ein gesundes Leben ausmachen...
    Um ehrlich zu sein, glaube ich den psychologischen Interpretationen kein Stück. Eltern-Kind-Bindung entsteht an so vielen Stellen.... ich denke Körperkontakt ist wichtig. Aber Körperkontakt muss nicht zwingend an der Milch-sekretierenden Brust sein, oder?
    Auf die Situation der Mutter möchte ich mangels Erfahrung lieber nicht eingehen - ich habe in den anderen Kommentaren so vieles gelesen, das ich erhellend fand.
    Für die Familiendynamik ist es wohl nicht entscheidend, ob die Frau stillt oder nicht. Ich kenne Familien, in denen die Frau arbeitet (und stillt) und der Mann Eternzeit macht... meine Mutter hat mich in den 80ern 6 Monate lang gestillt und war nur ein paar Wochen aus der Arbeit. Mein Vater hat hauptsächlich zu Hause gearbeitet und mich, wenn ich Hunger hatte, zur Arbeitsstelle meiner Mutter gefahren. Die hat mich im Auto gestillt und gut wars. Das hört sich nach einem stressigen Modell an, aber es waren keine 10 Minuten mit dem Auto und wenn meine Eltern heute darüber reden, dann klingt es nicht so, als hätten sie darunter "gelitten". Bottom-line: Väter können sich in stillenden Familien und in nicht-stillenden Familien einbringen (und es auch in beiden Fällen versäumen).

    Ich finde es sehr wichtig, dass die kommerziellen Interessen von einigen Konzernen erwähnt wurden. Das ist nämlich der springende Punkt, in meinen Augen. Ideologie und Konter-Ideologie. Jemand, der uns vormacht(e), Muttermilch sei unhygienisch und es müsste die gute Pulvermilch aus der Tüte sein und dann die Gegenrevolution, die sich pauschal gegen alles und jeden stellt, der nicht 100% "mitmacht".
    Ich denke per se, sollte Stillen die erste Wahl sein. Genauso wie es die erste Wahl sein sollte dem Kind immer jede Minute und Sekunde die volle Aufmersamkeit zu widmen, nur selbstgekocht 100% bio zu essen und zu füttern, nie zu trinken oder zu rauchen (Vorbildsfunktion!), stets ausgeglichen zu sein, bloß kein Streß, Vollzeit für die Familie da zu sein und nebenher Vollzeit zu arbeiten, im Kindergarten Plätzchen zu backen, jeden Tag mindestens ne Stunde an der frichen Luft zu gehen.... und warum es bei dieser Erwartungshaltung nicht viel mehr glückliche mehr-Kind-Familien gibt, kann ich mir wirklich nicht erklären.

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  24. mmh, also dein bericht ist schon sehr einseitig und deutlich gegen das stillen bzw. gegen alle, die stillen gut finden und befürworten. auch wenn du schreibst, dass du das nicht "so meinst" bzw. eine solche verurteilung nicht vor hast - der anfang deines posts ist genau das.

    ich habe die große nicht gestillt. aus verschiedenen gründen. und ja, ich fand mich auch oft in der gesellschaft wieder, die das (warum eigentlich??) verurteilt hat. als wäre es schlimm! ich finde es gut, wenn eine frau, die nicht stillen möchte, dazu steht und eben einfach selbstverständlich und selbstbewusst die flasche gibt.

    da gibt es noch viel toleranzpotential in der gesellschaft. sehr viel!!

    aber: das gibt es auch auf der anderen seite.
    beim langzeitstillen. beim öffentlichen stillen.
    und auch bei der bewahrung des stillwissens als etwas natürliches. die moderne hat uns die flaschennahrung gebracht und man hat die wahl. aber ich finde nichts schlechtes daran, JEDER frau ERSTMAL das stillen ans herz zu legen. weil es eben natur gegeben das ist, was fürs kind vorgesehen ist. daran gibt es doch nichts zu rütteln und auch nichts zu verurteilen. das hat sich kein mensch ausgedacht, das ist eben so.
    das macht es aber wiederum nicht zum zwang.
    dieser zusammenhang zur verpflichtung ist menschengemacht.

    und in dieser hinsicht macht die lll (mit der ich bei beiden kindern in regem kontakt stand) gut und richtig. das sind keine extremisten, sondern STILLberaterinnen. die haben eben auch nur im internet oder auch zwischenmenschlichlicher ebene ihre lobby. die machen das genauso wie hipp und co mit ihren werbe- und willkommensgeschenken im KH oder beim kinderarzt. ich kann da keinen unterschied erkennen.

    und so hat frau eben die wahl.
    die muss sie selbst treffen dürfen.
    aber wie, wenn sie niemand informiert?!

    lg

    halitha

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    1. @ Halitha: Sorry, wenn ich das jetzt so krass sage: Aber zwischen Information und Propaganda ist ein großer Unterschied. Im Geburtsvorbereitungskurs vor meiner ersten Geburt hat die Hebamme das Stillen in rosa Tönen gemalt. Jede Frau kann stillen. Stillen ist wun-der-schön. Auf die zaghafte Frage einer Teilnehmerin "Ich hab gehört, dass das manchmal wehtun soll" kam ein überzeugtes: "Ach, das ist alles halb so wild. Das kriegen wir hin, nach spätestens 2, 3 Wochen läuft es prima." Und neben mir ein werdender Vater der Generation 50plus, der die ganze Zeit zustimmend nickte und murmelte, wie degeneriert wir doch alle sind. Mir tat die Frau leid bei der Vorstellung, dass sie womöglich nicht problemlos stillen könnte. Ich fand es unerträglich, dass gestandene Frauen offenbar für dumm verkauft wurden, nur damit sie ans Stillen gekriegt werden. Warum kann man sie nicht einfach nüchtern und pragmatisch aufklären, über das was da auf sie zukommt. Ich meine nicht: Horror, sondern Realismus.
      Dass die Frauen, die sich bei der LLL engagieren, gute Arbeit machen stelle ich nicht in Frage, dazu kann ich nichts sagen. Ich denke auch, dass man, wenn man stillen will und Probleme hat oder umgehen will, im Zweifelsfall gut beraten ist, wenn man sich an die wendet. Ich weiß, dass in den Foren immer wieder beklagt wird, dass beim medizinischen Personal ungutes Halbwissen vorhanden ist, das erst viele der Stillprobleme verursacht.
      Wie gesagt, es geht mir um eine übergeordnete Ebene, die soziale Ebene, nicht um die einzelen Mutter oder Stillberaterin. Was die einzelne Frau macht ist mir herzlich egal. Es geht mir um den Diskurs und was er mit den Frauen und Paaren macht.
      Und wenn ich sowas wie in dem besprochenen Buch lese, dann ist das halt auch meilenweit von Information weg. Da wird eine ganz bestimmte Philosophie ausgebreitet, die, sofern sie Allgemeingültigkeit für alle Frauen beansprucht, zur Ideologie wird. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit neutralen Informationen zu tun.

      Zu Hipp und Co: ich hab schon in nem anderen Kommentar geschrieben, dass ich niemals Nestle gefüttert hätte und dass es verbrecherisch ist, Frauen unter prekären sozialen und hygienischen Bedingungen vom Stillen abzuhalten. Mir ist auch völlig klar, dass die LL und Co eine Gegenbewegung zu den erfolgreichen Marketingstrategien früherer Zeiten sind. Aber ich sehe nicht, dass Werbung und Co heute noch derart massiv stattfinden. Da war die LLL auf jeden Fall erfolgreich.

      Wenn Frauen aus meiner Muttergeneration sagen: Ach, das war nicht so üblich, da gab es eine Tablette und das war's." dann halte ich das für ganz fatal. Aber eben wiede rnicht auf der individuellen Ebene, sondern gesellschaftlich. Das meine ich genau so wie ich es schreibe. Das ist entmündigend und ich halte es für genauso richtig, dass es da eine gesellschaftliche Gegenbewegung gab. In den 80ern hätte ich vermutlich auch gestillt, bin nämlich eigentlich so ne Ökotante, mit Geburtshaus und so. Aber die heutige Verknüpfung von Gesundheit und Glück halte ich für absolut problematisch, und ganz besondern diesen Mutterideologie-backlash.

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    2. und noch der Rest:

      Ein Problem hab ich mittlerweile mit dieser ganzen Natürlichkeits-Argumentation. ICh denke, "Stillwissen", wie Du schreibst, ist etwas kulturelles und nichts "natürliches". Die Argumentation ist allzu oft platt ahistorisch: "Früher" wurde gestillt. Dem ist nicht so. Schon immer hat Frau das Stillen umgangen. "Naturgegeben" - erinnert mich an "gottgegeben" - ist so vieles: Sterben an der Blinddarmentzündung, zu Fuß gehen, sich dem Mann unterordnen, an Mehrlingsgeburten oder im Kindbett oder an Masern sterben - alles naturgegeben, hat sich keiner ausgedacht. ist eben so.

      Entschuldige bitte, ich kann mit dieser Argumentation wirklich nichts mehr anfangen. Das Stillen ist eine Kultur und wie jede kulturuelle Technik verhandel- und veränderbar. Ich wundere mich immer wieder, warum junge Mütter sich diesen einen Aspekt rauspicken und da so eine Natur-Philosophie entwickeln, wo niemand ernsthaft andere kulturelle Techniken und Errungenschaften in Frage stellt. Warum müssen wir mit dem Stillen die Welt retten - wie es das Motto einer Weltstillwoche nahelegt: Breastfeeding in a globalised world for peace and justice.

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    3. ich weiß grad auch nicht ob du mich mit deiner argumentation angreifen möchtest oder eine "große gesamtheit" von frauen, die in eine ähnliche richtung denken wie ich.

      ich schrieb ja: jede muss selbst entscheiden dürfen.
      und das wird sie nicht, wenn diese ganze diskussion so emotionsgeladen ist und bleibt. und das ist sie ja auch hier bei dir.

      und es ist wohl eine sehr persönliche sache, wie die arbeit von stillorganisationen vs. ersatzmilchherstellern empfunden wird. mir fielen jetzt auch viele, viele beispiele von aggressiver werbung ein und einer art "gehirnwäsche". ich glaube wirklich, dass man das in beide richtungen argumentieren kann.

      und stillwissen ist kulturell und sozialisiert, da bin ich ganz bei dir. aber ich finde es nicht verwerflich, dass dieses wissen erhalten werden soll. stillen IST eben ein lernprozess. fies wirklich, wenn das nicht richtig gestellt wird.

      "gott"geben...nein, so meinte ich das bestimmt nicht! aber stillen mit dem sterben an masern oder im kindbett zu vergleichen ist (nicht nur ein bißchen) überspitzt formuliert, meinst du nicht? kulturelle techniken verändern sich, wenn sich andere (weil besser) durchsetzen. stillen als sowas zu bezeichnen ist schon sehr verschroben. dann _könnte_ man deine worte ja auch so interpretieren, dass alle frauen, die stillen, sich den modernen errungenschaften der welt verwehren und ziemlich dumm sind, immer noch zu stillen. wo sie doch unabhängig sein könnten etc. pp.

      ich glaube nicht, dass du wirklich so denkst, aber wenn man das motto der weltstillwoche so verquer interpretieren kann, dann kann man das mit allem.

      ich denke nur an "das beste für ihr kind" in der tv-werbung. und zwar NICHT fürs stillen.

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    4. achso, weilich bisher auch gar nix zu dem buch geschrieben hab: DAS buch ist mit seinen anschauungen wirklich richtig bekloppt. aber ich halte generell nichts von diesen "essentiellen" dingen, die (unangefochten und ausschließlich) die beziehung zum kind garantieren. vor allem im ersten/zweiten - welchem jahr auch immer. athentizität ist da wohl um längen wichtiger. eine echte mutter, in ihrem handelnt und denken, ist besser als jede, die versucht irgendwelchen (gesellschaftlich auferlegten) dogmen zu genügen.

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    5. Ds Problem ist aus meiner Sicht, dass es nicht wenige Frauen gibt, die von den Dogmen der Stillorganisationen absolut überzeugt sind - und die diese Überzeugungen z.B. als medizinisches Personal, Hebammen, aber eben auch im Interne, als ehrenamtliche Stillberaterinnen oder einfach so, an die Frau bringen. Es geht z.B. im Stillforum bei eltern.de nicht nur darum zu stillen, sondern es "muss" in einer ganz bestimmten Art passieren. Es gab dort eine Frau, die jahrelang versucht hat, den Frauen, die auf der Suche nach Unterstützung und Hilfe bei akuten Stillproblemen sind, eine andere Form des Stillens - sie nannte es elterngeleitet - nahezubringen. Sie hat sich nicht gegen das Stillen ausgesprochen, hat selbst 6 Monate gestillt und sie bot eine Alternative an, wenn alle anderen immer nur schrieben: Das ist ne Phase, es kommen auch wieder ruhigere Nächte, da musst Du durch. Diese Frau ist da regelrecht gemobbt worden und jetzt haben die kindzentrierten Stillerinnen wieder die Arena für sich. Für eine nicht unerhebliche Zahl von Meinungsbilderinnen gilt nämlich tatsächlich die reine Lehre, da wird beispielsweise schon das Abpumpen von Muttermilch und Füttern durch den Vater als zu verachten angesehen. Es gibt dort eine ganz bestimmte Leitlinie und alles was diese normative Linie unterschreitet steht im Verdacht des Rabenmmuttertums. Und das ist jetzt nicht überspitzt von mir, das habe ich dort jahrelang beobachtet.
      Um Deine Eingangsfrage zu beantworten: Dich will ich nicht angreifen, da ich nicht weiß, wie Du in solchen konkreten Beratungssituationen agieren und argumentieren würdeest. Aber diese "Beraterinnen" würde ich für ihren Dogmatismus selbstverständlich angreifen.

      Stichwort: Emotionalität. Die Kommentare hier zeigen einfach, dass das Thema für viele Frauen, die aus Sicht der dogmatischen Stillverfechterinnen "gescheitert" sind oder ihre natürliche Aufgabe nicht erfüllt haben, natürlich hoch emotional belegt ist. Aber ich denke, das ist eine Reaktion auf das was ihnen passiert ist.

      Du sagst, Stillwissen soll bewahrt werden. Das kann auf der individuellen Ebene doch gemacht werden, so wie Kochwissen oder Wissen um textile Techniken wieder interessant werden und Menschen sich dieses Wissen aneignen. Aber wenn daraus ein: Möglichst viele Frauen sollen stillen, damit dieses Wissen wieter getragen wird wird es halt problematisch - ich unterstelle nicht Dir, dass Du das so siehst, aber den Stillorganisationen.

      "Stillen für Frieden und Gerechtigkeit" - wie soll man das Motto so interpretieren, dass darin kein globaler, gesamtgesellschaftlicher Anspruch gelesen wird? Wie kann man das interpretieren, ohne eine substanzielle Verklärung und einen realitätsfernen Dogmatismus im Stillen zu sehen? Das geht doch an der Realität der Frauen vorbei, die in aller Regel ohnehin einen pragmatischen Weg wählen.

      Und noch ein letztes: wenn Dir die Beispiele zu überspitzt sind: es ist auch natürlich, direkt nach der Stillzeit wieder schwanger zu werden und so etwa alle anderthalb Jahre ein Kind zu bekommen.
      Ich kann einfach diese "Zurück zur Natur" Argumentation nicht nachvollziehen. Stillen ist eine Art der Kinderernährung, die für manche Frauen und Familien passt und praktisch und richtig ist und für andere nicht. Da ich dieses Natur-Argument nicht aufbringe, würde ich es auch niemals umdrehen, im Sinne: Frauen die stillen sind unmodern. Ich finde weder zu Fuß gehen "natürlich" noch Auto fahren "modern". Das ist nicht der Punkt.

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  25. Liebe Melleni,
    ich verfolge Deinen Blog schon lange und heute Abend sitze ich mit einem Lächeln im Gesicht auf meiner Couch, weil mir Dein Post so sehr aus der Seele spricht.
    Das Thema ist bei mir auch nicht mehr aktuell, aber auch ich habe mich 2004 und 2008 bewusst gegen das Stillen entschieden. Und trotz aller ausgesprochenen und unausgesprochenen Skepsis über meine Entscheidung in meinem Umfeld weiß ich für mich immer noch: Es war meine Entscheidung und es war eine richtige Entscheidung!
    Jeder interpretiert das Mutter- / Elternsein anders und wir können doch heute eigentlich froh sein, dass wir eine Wahlfreiheit haben, wie wir uns unser Leben vorstellen.
    Ich akzeptiere jede stillende Mutter, aber im Gegenzug erwarte ich auch akzeptiert zu werden, denn ich will genau wie jede andere nur das beste für meine Kinder.
    Das trifft übrigens, wie oben auch schon geschrieben, auf so viele andere Bereiche zu bis die Kinder dann erwachsen sind.
    Daniela

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  26. Hallo!
    Meine Kleine hat sich nach 14 Monaten abgestillt, erst war ich überrascht, daß das doch so bald geschah, liest man doch, dass sich Kinder meist erst mit ca 24 Monaten und drüber abstillen, wenn man sie das entscheiden lässt.
    Ich habe mich schon vor der Geburt gut über das Stillen informiert und war glaube ich auch auf die möglichen Probleme wie Brustentzündung, halb abgerissene Brustwarzen und höllischen Soor vorbereitet, denn alles hat mich erwischt. Das Stillen habe ich jetzt nicht als sonderlich schön empfunden, aber ich habe bis heute nicht einen Vorteil FÜR DIE KLEINE in der Flaschennahrung gefunden. Ich wollte nicht, daß sie mit künstlich aufbereiteter Kuhmilch ernährt wird.
    Was eigentlich nie angesprochen wird, ist das Stillen der Frau schon auch Entbehrungen kostet. Man muß genau schauen, was man ißt, Nikotin und Alkohol sind sowieso tabu und die ersten Monate kann man wohl keine Stunde von seinem Kind weg sein.
    Jede Frau muß das für sich und ihr Kind entscheiden und mit den Konsequenzen leben.

    Schönen Abend und liebe Grüße von Daxi

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    1. Ja, was spricht denn dann konkret gesehen für dich alleine für das Stillen????? Du sprichst ja auch eher die negativen Seiten an, die ich ja auch sehe..... aber was hat es denn dir als Frau gebracht? Warum hast du dich für all die Strapazen, die dir entgegen strebten, trotzdem so entschieden? Und entscheidet nicht die Mutter, wann sie nicht mehr möchte, oder das Kind?

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    2. Ich muss ehrlich sein und zugeben, dass nach den anfänglichen oben beschriebenen schwierigkeiten das Stillen dann mehr als problemlos lief. Meine kleine hat mit 8 wochen 13 std durchgeschlafen ohne stillpause!
      Wenn du mich nach den Vorteilen für mich fragst, darüber hab ich gar nie nachgedacht. Für mich wäre es eine katastrophe gewesen, hätte ich nicht stillen können. In meinem kopf war gespeichert, das muss einfach klappen!

      Lg von Daxi

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  27. Liebe Melleni,

    meine drei Ls werden ebenfalls groß, ohne ausgiebig Muttermilch genossen zu haben. Ich spürte den Druck vor allem bei L1, alles richtig machen zu müssen. Und 'richtig machen' heißt doch stillen. Das dachte ich damals jedenfalls. Ich ertappte mich dann allerdings nach 3 Wochen mit dem Gedanken, dass ich keine Lust habe, Mutter zu sein, wenn Mutter sein so ist. Voller Stress, Ernährungsschwierigkeiten und keinerlei Freiraum - weder für Mutter noch Kind. Als ich mich dann - endlich muss ich heute sagen - bewusst gegen das Stillen entschieden habe, war ich entspannt(er). Bei L2 und L3 habe ich dann meine Hebammen jeweils gleich über meine Entscheidung, nicht zu stillen, informiert und die Fronten waren geklärt. Allerdings hat man als einfach bzw. zweifach Mutter dann auch schneller das Zugeständnis ja am besten zu wissen, was geht und was nicht geht. Beim ersten Kind wurde mir leider viel zu viel erzählt, was gut sein soll und was nicht.

    Vielen Dank für Deinen Post. Ich finde es schön, zu lesen, dass so viele andere Frauen diese Thematik so beurteilen wie ich.

    Maxi

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  28. "Ich finde, erwachsene Frauen sollten sich selbstbewusst und eigenverantwortlich um ihr Kind kümmern - und die betroffenen Väter ebenso"
    Ganz genau Melleni ! Ich bin ja in diesem Kreis schon sehr alt und meine Kinder sind erwachsen . Mich geht das eigentlich alles nichts mehr an , aber was mich umtreibt ist der Gedanke , dass inzwischen sämtliche Lebensbereiche völlig " ver-ratgebert " sind . Mal davon abgesehen , dass diese vielen "Ratgeber " schlechte Gewissen oder Unzulänglichkeitsgefühle fördern , wenn man anders lebt / entscheidet , habe ich auch das ungute Gefühl , dass den Menschen heute das eigene Nachdenken, und dann entsprechend für sich entscheiden langsam abhanden kommen wird ... Meine Generation hatte sich lediglich mit den Ratgebern Mutter / Schwiegermutter auseinanderzusetzen - das war deutlich einfacher als gegen eine Flut von besserwissenden Ratgebern , Foren und Büchern seine EIGENE Entscheidung durchzusetzen und dabei kein schlechtes Gewissen zu haben . Stillen , erziehen ,Kinder zu starken grossen Menschen werden zu lassen ist eine sehr eigenverantwortliche Angelegenheit ( sicher nicht von gesellschaftkichen Gegebenheiten unberührt ) und wir sollten anfangen Herz und Bauch da wieder zu Wort kommen zu lassen und ansonsten etwas mehr " leben und leben lassen "
    liebe Grüsse Dodo

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  29. Ich habe jetzt im Laufe des Tages öfters hier reingelesen und mir meine Gedanken gemacht...
    Hier wird vielschichtig argumentiert: persönlich, ideologisch, ideologisch-kritisch und kulturell...
    Wo steige ich ein?
    Also erst mal persönlich:
    Ich stille meine einjährige Tochter immer noch und habe meinen fast fünfjährigen Sohn fast 3 Jahre gestillt.
    "was du stillst immer noch? Hast du denn genug Milch? Du bindest deine Kinder zu stark an dich! Du hinderst sie daran selbstständig zu werden..." das sind nur ein paar Bemerkungen meines Umfeldes (Übrigens gibt es die gleichen Unkenrufe zum Thema tragen und im Elternbett schlafen lassen..., die Leute lesen wohl alle die gleichen Ratgeber...:)
    Mich stresst das Stillen nicht, es hat mit kompetenter Unterstützung von Anfang an gut geklappt und darüber bin ich froh. Es gibt für mich nichts gemütlicheres als mit dem Epad oder Buch im Bett zu liegen und mein Kind zu stillen oder gar einschlafzustillen...
    Ich sehe einen gesellschaftlichen Stillzwang hauptsächlich für das erste halbe Jahr des Kindes, danach hat das Kindchen gefälligst Brei zu essen und an einer Premilchflasche zu saugen, durchzuschlafen, natürlich alleine usw. usw.
    Ich hasse diesen Dogmatismus, dass jeder Hans und jedes Lieschen ihren Weg für den einzig wahren hält und alle, die abweichen sind irgendwie örks -im besten Fall komisch.... egal ob von der feministischen Seite her oder von der reaktionären Mütterideologisierungsfront argumentiert wird.
    Stillen ist eine Möglichkeit den Säugling zu ernähren, die natürlich gegeben ist, aber keine Frau muss der Natur folgen. Alles was zur Handlung des Stillens folgt ist kulturell gemacht und von Ideologie überfrachtet.
    Das Wohl und Übel eines Kindes hängt nicht allein von der Mutter(-brust) ab...
    Was ich mir wünsche:
    Kein Rechtfertigungsdruck der Gesellschaft egal wie eine Frau oder ein Mann Mutter-oder Vatersein für sich interpretiert.
    Konkret: familenfreundliche Arbeitszeiten, ein Unterstützungsnetzwerk für Familien, die Säuglinge und Kleinkinder zu betreuen haben (Haushaltshilfen für die Zeit des Wochenbettes beispielsweise, damit sich die Eltern(!!)hauptsächlich um die Kinder kümmmern können), weniger Expertenhörigkeit und mehr Eigenverantwortung! So ich schweife ab,gehe mal nähen und schicke diesen Kommentar ab, der ein keines Zeitfresserchen war ;)

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    1. Zeitfresserchen, oja, das war der ganze Post hier den ganzen Tag :)
      Ich kann eigentlich alles unterschreiben, was Du schreibst. Du hast recht mit dem Stillzwang für das erste halbe Jahr, Frauen die das länger machen, kriegen danach ihr Fett weg.

      "Stillen ist eine Möglichkeit den Säugling zu ernähren, die natürlich gegeben ist, aber keine Frau muss der Natur folgen. Alles was zur Handlung des Stillens folgt ist kulturell gemacht und von Ideologie überfrachtet.
      Das Wohl und Übel eines Kindes hängt nicht allein von der Mutter(-brust) ab..." Ja, das sehe ich auch so.

      Gruß nach OWL
      M

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    2. frau knopf, ich wünschte, ich hätte ihre worte gefunden. danke! :)

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  30. Der Ausspruch "Wie du stillst nicht?!" hätte auch von mir sein können. Vor, während und auch noch eine ganze Weile nach der Schwangerschaft hielt auch ich das Stillen für die einzig richtige Methode, sein Kind zu ernähren, ebenso wie ich auch viele meiner Ansichten und Methoden für die einzige wahren und richtigen Methoden hielt.
    Zum Glück bin ich da inzwischen ne ganze Ecke gelassener und toleranter geworden! ;-) *lach*
    Jede Frau muß selber entscheiden, ob sie stillen möchte oder nicht. Und dass Kinder, die mit der Flasche groß gezogen wurden, durchaus gesund und intelligent sein können, sieht man an mir, denn ich wurde als Kind in den 70ern natürlich nicht gestillt und von Herrn Milupa und Herrn Hipp ernährt. Dennoch habe ich es durch Abitur und Studium gebracht und leide auch nicht an Allergien! ;-)

    Dass ich mein Kind stillen wollte, war für mich aber von Anfang an klar, weil ich es allem voran einfach nur praktisch fand. Weiterhin habe ich, obwohl ich mich gedanklich während der Schwangerschaft schon auf alle möglichen Stillprobleme eingestellt hatte, letztendlich keinerlei Stillprobleme gehabt, von ein paar angeknabberten Brustwarzen in den ersten Tagen mal abgesehen, aber Schwamm drüber.
    Ich habe gut 14 Monate gestillt, mit Einführung der Beikost dann nur noch morgens und abends.
    Aber soll ich euch was sagen? Ich habe letztendlich im Sinne der LLL und der obskuren Vorschläge aus oben zitiertem Buch dann wiederum doch nicht richtig gestillt! Denn ich habe meine Tochter lediglich mit meiner Brust ernährt, aber eben auch nicht mehr! Als Nuckelersatz habe ich meine Brust nie hergegeben, weder zum Einschlafen noch zwischendurch, dafür gabs bei uns nen Schnuller.
    Denn die Sache ist nämlich wie folgt und ggf. mal erwähnenswert für alle Nicht-Stillerinnen: Wenn ein Kind an der Brust saugt, um Milch zu trinken, dann hat das Kind dabei einen völlig anderen Zug drauf, als wenn es nur an der Brust nuckelt, um sein Nuckelbedürfnis zu befriedigen, eine Einschlafhilfe zu brauchen, sich zu beruhigen , etc. Demzufolge fühlt es sich auch an der Brust(warze) für die Mutter ganz unterschiedlich an. Ich persönlich fand dieses Rumgenuckel an der Brust ein ganz ganz ätzendes Gefühl und habe es von Anfang an unterbunden. Tja, demzufolge haben meine Tochter und ich dann wohl auch eine fehlgeleitete Beziehungsentwicklung gehabt, tse tse.....
    Beste Grüße von Katy, die über so eine depperte Empfehlung in einem Buch nur den Kopf schütteln kann.

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  31. Danke für die klaren Worte und die guten Beobachtungen!

    Ich habe noch kurz überlegt, ob es nicht einen Zusammenhang zwischen dem stark mit Zwängen belegten Mutterbild (der Zwangssymbiose zwischen Mutter und Kind - warum sollen eigentlich wir Väter keine Symbiose mit unserem Kind haben?) und dem seit den 80ern zunehmenden Karrieredruck auf Mütter gibt. Denn sowohl ökonomisch als auch im aktuellen Bild der Emanzipation spielt Lohnarbeit eine extrem große Rolle, die sozusagen den Gegenpol zur 'natürlichen Mütterlichkeit' abgibt. Was ja auch in den eigentlich schrägen Namen der Debatten um die sogenannte 'Vereinbarkeit von Familie und Beruf' oder die 'Verteilung von Lebens- und Arbeitszeit' zum Ausdruck kommt.

    Vor einiger Zeit dachte ich über die Hebammenkultur, dass sie vor allem eine Gegenbewegung zur männlich dominierten Medizin ist, was sicher stimmt, aber inzwischen glaube ich auch, dass die Bereitschaft bei vielen Müttern und(!) Vätern, sie anzunehmen, steigt, wenn der Karrieredruck, die Angst um die Rente und der Wert von Lohnarbeit zunehmen.

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  32. Dass der Begriff "Mutterleibservice" in einem aktuellen Buch auftaucht finde ich ehrlich gesagt mehr als gruselig. Der Begriff ist schlimm und die Ausführung als Ausgleich/ Ablass fürs Nichtstillen völlig absurd. Ich bin doch kein Schnullerersatz!

    Auch ich muß gestehen, dass ich stutzig werde und wohl auch so dreinschaue, wenn mir eine Frau erzählt, dass sie nicht gestillt habe. Was aber vorrangig keinen ideologischen Aspekt hat sondern geprägt ist von meiner Vorstellung, dass und wie man es verzweifelt probiert hat und dann "gescheitert" ist... (Meine Erfahung dazu: Ich habe beim ersten Kind anfänglich auch sehr kämpfen müssen und leider von diversem Fachpersonal diesbezüglich keine hilfreiche Unterstützung bekommen... Verbinde damit sehr schlechte Erinnerungen und Verzweiflung. Mir wurde einerseits natürlich das Stillen als einzig wahre Möglichkeit gepriesen, andererseits ständig gedroht, wenn das jetzt nicht bald klappt, müssem wir ....("böse" Maßnahmen ergreifen). Ich war neben all dem Wochenbettscheiß echt verzweifelt.)

    Absolut verwerflich und kontraproduktiv in diesem Zusammenhang ist die Verbreitung des Gerüchtes, dass das mit dem Stillen ganz "natürlich" ist und deshalb natürlich auch von selbst klappt. Welch ein Druck wird da aufgebaut! Wenn es nicht klappt, ist natürlich die Muter -wer auch sonst??- Schuld! Hat eben nicht alles gegeben zum Wohl ihres Kindes.
    Da kann ich mir sehr gut vorstellen, wie es sein muß, wenn man sich schon vorab gegen das Stillen entscheidet und diese Entscheidung kundtut...

    Ich habe meine beiden Kinder gestillt bis sie nicht mehr wollten (was bei beiden vor dem ersten Geburtstag der Fall war) und fand das einfach nur praktisch weil es mir persönlich Freiheiten und Flexibilität gegeben hat, die ich bei dem Gedanken daran, immer genügend saubere Fläschchen etc mit mir zu führen, nicht gehabt hätte. Allein schon immer vorrausschauend an ausreichend Windeln zu denken....
    Im Eisfach hatten wir auch immer genug Eingefrorenes, da konnte ich mir auch problemlos meine Auszeiten nehmen.
    Ein Gefühl, durch das Stillen eingeschränkt oder zu sehr gebunden zu sein hatte ich nie, während das generelle Verantwortungübernehmenmüssen mir durchaus zu schaffen gemacht hat.

    Meine Mutter hat uns drei Kinder in den 60-er Jahren alle gestillt und es ist bei ihr bis heute immer wieder Thema, wie sie dafür Unverständnis und Anfeindungen erleben mußte. Also der genau umgekehrte Fall!
    Ihre Schilderungen setzten natürlich auch eine Erwartungshaltung in mir/ an mich und ich kann mich selbstverständlich nicht freisprechen von dem allgemeinen gesellschaftlichen Druck.
    Das war das Befreiende daran, ein zweites Kind zu bekommen, hier nun von Anfang an, selbstbewußter und viel entspannter einen individuellen Weg zu gehen.

    In meinem persönlichen (Familien-) Umfeld mußte ich auch ein eindeutiges Stadt-Land-gefälle feststellen.
    Meine Verwandtschaft "vom Dorf" war stets der Meinung, dass ich unbedingt wenigstens zufüttern müsse, die Muttermilch würde ja sicher ncht ausreichen und ich könne ja auch nicht kontrollieren, wieviel mein Kind denn nun tatsächlich getrunken habe. Während die Städter einfach wie selbstverständlich davon ausgingen, dass ich möglichst lange stille. Und jeder meint ja auch, ein Wörtchen mitzureden zu haben...

    ...

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  33. .....Es geht hier in der Diskussion zwar ums Stillen, aber das mit der "Natürlichkeit" und dem gesellschaftlichen Druck, was das Beste für das Kind sei, hat noch so viele weitere Auswüchse.
    Der Mann einer Freundin wollte bei der Geburt nicht anwesend sein, wie kann er seine Partnerin nur so im Stich lassen? Keine Nabelschnur durchschneiden, kein bonding! Das wird ihm doch auf ewig ein Nachteil für seine Beziehung zum Kind sein...

    Die Absurdität von Expertenmoden rund um Geburt und Schwangerschaft habe ich allein schon erlebt, indem ich 2 Kinder habe, die einen Altersunterschied von knapp 5 Jahren haben. Während beim Großen z.B. Jungs- und Mädchenwindeln das Nnonplusultra waren und Babys -wie war das nochmal?- grundsätzlich auf dem Bauch liegen sollten, war das 5 Jahre später alles schon völlig überholt. Da gab es nur noch unisexwindeln und Babys sollten in der Seitenlage schlafen. Oder andersrum??
    Eine Freundin erzählte zu unserer allgemeinen Beruhigung damals, dass bei ihrer afrikanischen Verwandtschaft die Babys praktisch von Geburt an, von unendlich vielen Kissen/ Hilfsmitteln gestützt hingesetzt würden (hier bei uns ein absolutes nogo- ihr wißt schon der Rücken!!) und trotzdem in Afrika die Zahl der Rückenleiden im Erwachsenenalter kein Thema sei (welche Faktoren da nun immer auch reinspielen)

    Kind im Elternbett ist auch immer schwer dubios bis anrüchig... Wenn wir uns als Familienbettschläfer outeten, bekamen wir tatsächlich auch ungefragt anzügliche Bemerkungen, Bedenken wegen einer möglichen Zerquetschgefahr und viele idiotische Witze geboten, wo denn wohl das zweite Kind herkomme...

    O.K. ich habe jetzt sicher etwas zu weit ausgeholt....und der Text geht nicht mal als ein Kommentar durch---huch!

    LG
    Wiebke

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    1. Das fand ich sehr angenehm, auch unser Kinderarzt hat uns relativ bald erzählt, dass das mit dem nicht auf den Bauch legen was neues ist, und früher genau umgekehrt beraten wurde (er hat so ein Plakat im Wartezimmer, wo auf Schlafsack und Nicht-Bauchlage extra hingewiesen wird). Statistisch ist das natürlich logisch: wenn alle auf dem Bauch gelegt werden, nimmt die Zahl derjenigen, die in Bauchlage sterben zu. Umgekehrt gibt es heute im Vergleich zu davor mehr Kinder die in Rückenlage sterben. Tja. Nicht dass es jetzt falsch wäre (auf Rücken- oder Seiten?-lage zu achten), dazu gibt es ja bestimmt haufenweise medizinische Untersuchungen.
      Nun ja, da ich auch zu den eher Ich-will-alles-richtig, nicht-immer-entspannt-Müttern zähle, haben wir anfangs unsere Älteste nachts nach einer Weile immer umgedreht. Was für ein Witz! Natürlich hat sie sich im Laufe der Nacht sowieso wieder auf den Bauch gedreht.

      Manchmal bin ich ganz amüsiert darüber, mit welcher Leidenschaft und Vehemenz sich Mütter in Kitas über die richtigen Windeln, Kinderwagen, Winterkleidung, Ernährung, Frühförderung etc. ereifern können. Virales Marketing in Höchstform!
      Da ist es wirklich ein schönes Gefühl, älter zu werden und das Ganze distanziert-entspannt beobachten zu können. In der Schule sind die Kinder ja nicht mehr so sehr den Eltern ausgeliefert und bringen eigene werbewirksame Vorschläge mit nach Hause.

      Und dem Leistungsdruck mancher Eltern (wie kann ich sicherstellen, dass mein Kind in der ersten Klasse schon richtig aufs Abi vorbereitet wird?) kann man dann auch einfach besser aus dem Weg gehen, weil nicht mehr alles so neu und elementar wichtig ist (man lernt auch als Elter dazu).

      LG frifris

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  34. ... ich hab jetzt gerade mein erstes Baby im Bauch und verschließe mich (auch jetzt im siebten Monat) jeder Ratgeberliteratur. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass es schon klappen wird. Und dass ich nicht alles vorher planen kann, weil ich meinen Kleinen ja noch gar nicht kenne. Und mich als Mutter auch nicht. Ich möchte mich nicht jetzt schon verrückt machen und halt einfach so sein, wie es sich dann richtig anfühlt. Stillen stelle ich mir dabei ganz praktisch vor, weil man ja quasi alles so dabei hat. Aber Fläschchen finde ich auch sehr reizvoll, weil dann auch das Papa mal längerfristig die Aufsicht übernehmen kann und ich nicht als „Zapfanlage“ zur Verfügung stehen muss... Ich dachte an eine Kombination... Naja, soweit meine Theorie.
    Was ich aber noch anmerken wollte: diese ganzen Ratschläge hören ja beim Stillen nicht auf. Ich darf keinen Zimt essen (und jetzt kommt Weihnachten!!!) und keine Haare färben (aber soll mich schön finden, weil es wichtig ist, dass ich mich rundum wohl fühle) und keine Sachen oben aus dem Schrank holen (damit ich mich nicht zu sehr strecke), Fahrrad fahren könnte auch grob fahrlässig sein und kaufe ich fürs Babybettchen die Matratze für 100 Euro bin ich dann eine schlechtere Mama, weil ich zu knauserig bin 300 auf den Tisch zu legen und eine optimale Luftzufuhr beim Schlafen zu ermöglichen?
    ... auf der anderen Seite erlebe ich wie ich im Job mit meinen Rechten gegen eine Wand laufe und nicht ernst genommen werde, wenn ich den Mund aufmache...

    ...Im großen und ganzen gehe ich sehr "wir" bezogen an das Thema Kind ran. Ich hab nicht das Gefühl alleine Mama zu werden, sondern dass WIR Eltern werden. Ich weiß, dass wir das zu zweit machen werden und dass wir gleich viel zuständig sein werden. Das ist für mich selbstverständlich! Und für meinen Freund im übrigen auch.

    lg Paula

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    1. Ei, das hab ich noch gar nicht mitbekommen, dass du ein Baby bekommst. Ich glaub ich bekomm gar nicht mehr alle Posts von dir frei Haus geliefert, seltsam.
      Haste echt schön geschrieben, find ich gut.
      Vera

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  35. ich verstehe nicht, warum das ganze so verkopft sein muss. wer würde schon so pragmatisch über die beziehung zu seinem partner schreiben?
    keine mutter wird mir widersprechen, wenn ich sage, dass eine funktionierende (!) stillbeziehung mit einem baby absolute glückseeligkeit bedeutet. nichts entspannt mehr. man kann dem baby jederzeit geben, was es sich wünscht. ich wäre nicht-stillend nur halb so belastbar gewesen.

    und ja, es ist auch einfacher, als jedes mal einen cocktail mixen.

    und ich will nicht ständig an feminismus und chancengleichheit denken müssen, wenn mein kind schreit! manchmal geht's dann doch zu weit mit der ideologie...
    vielleicht sollten die männer besser die kinder austragen.

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  36. Es wäre alles viel einfacher, wenn Frauen die Meinungen und Kommentare Anderer gleichgültig wären.

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  37. Danke für den Artikel!
    Ich wollte während meiner gerade beendeten Stillzeit mehrmals posts zum Thema "Ich find Stillen so scheiße!" verfassen und hab's dann doch nicht gemacht. Besonders dann wollte ich bloggen, wenn ich mit kleinen Kauleisten in die Brustwarzen gebissen wurde. Oder der Kleine genau solange saugte, bis die Milch lief und dann lieber schrie, während die Milch durch die Gegend sprizte (besonders schön in der Öffentlichkeit!). Wie man diskret in der Öffentlichkeit stillen können soll, ist mir auch ein Rätsel. Was haben die Mütter, die das können denn für Brüste und Kinder? Und Still-BHs: welcher von denen lässt sich bitte einhändig bedienen ("die andere Hand bleibt frei für Ihr Kind")? (Ich glaube, ich sollte wirklich mal drüber schreiben.)
    Beim ersten Kind habe ich nach fünf Monaten Stillens die Hebamme im Rückbildungskurs nach Tipps zum Abstillen gefragt und die war entsetzt. Mein Argument war, dass ich einen Monat später wieder arbeiten wollte. Sie hat mir dann was von morgens, abends und nachts stillen und sonst abpumpen erzählt. Vielen Dank auch. Das Argument "ich will aber nicht mehr" war für sie keins.

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  38. Lustig,
    in Anbetracht dessen, dass ich ja beim Sew Along auch mitmache und genau da aber gepostet habe, EBEN eine Stillmöglichkeit für mich in das Kleid zu machen, schreibe ich jetzt doch ein Kommentar.

    Ich finde diese Mütterkämpfe, egal obs ums Stillen oder ums Falsche geben geht, grausam.

    Warum können wir nicht mehr leben und leben lassen.
    Braucht es ein Blogpost wie dieses wirklich, damit andere wieder dazu stehen können, nicht gestillt zu haben bzw das nicht zu wollen?

    Traurig aber anscheinend ist es so....
    Dann gibt es wieder die Ecke derer, die genauso ein Blogpost brauchen, indem steht, dass es doch frech ist, als Stillende aus einem Cafe geworfen zu werden etc.

    Es gab ja genug dergleichen...

    Mir ist völlig wurscht, wer stillt und wer nicht, aber satt habe ich die Diskussionen dazu.
    Die Alternative Fläschen ist bei manchen so wertvoll, dass ich er dreist finde, zu behaupten, NUR Stillen sei das Optimum.
    Das ist es nämlich nicht.
    Und trotzdem geniesse ich unsere Stillbeziehung, solange mein Kind stillen möchte und ICH es auch mag.
    Auch wenn ich mir dazu oft anhören muss: "Was, Du stillst doch??????"

    Herzliche Grüsse
    Melli

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  39. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  40. Was willst du damit sagen?

    Außer, dass du nach einer kurzen Stillzeit genau damit aufgehört hast?

    Naja, was soll´s. Stimmen wie diese, deine, wird´s wohl immer geben. Ich will mal betonen, dass das rein garnichts mit Feminismus zu tun hat oder damit, dass Vätern von gestillten Kindern kein Platz für innige Vaterschaftserfahrungen bleibt.

    Also dein Post hilft auch nicht grad.

    Sagt eine, die zwei mal ihre Kinder sehr lang gestillt hat und dessen Mann die innigste Beziehung zu genau diesen Kindern hat, die sie sich vorstellen kann. Die gern gestillt hat und es auch gern wieder tut. Und sich nicht vorstellen(!) kann, dass ihre Beziehung zu ihren Kindern die selbe wäre, hätte sie nicht gestillt.

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  41. Hallo, sehr emotional geht es hier her und bei den verschiedenen Ebenen weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Ich habe zwei Kinder: das erste kurz gestillt, dann nach schlechten Erfahrungen und mit sehr schlechtem Gewissen abgestillt, das zweite ist knapp 5 Monate alt und ich genieße das Stillen sehr und bin immer noch jeden Tag überrascht, wie schön und einfach ich es nach dem Krampf beim ersten Kind finde.
    Ich finde es schade, dass man hier in einigen Beitrâgen den Eindruck bekommt, dass das Fläscgengeben und Nicht-Stillen fast so dogmatisch vertreten wird wie anderenorts das Stillen. Da ist von entspannteren Flaschenmüttern und innigeren Vater-Kind-Beziehungen und Selbstbestimmung die Rede. Ich persönlich war zum Bsp eine sehr unentspannte Flaschenmutter. Ich fand es ätzend, mich nachts aus dem Bett zu quälen und zu warten, bis die Flasche fertig war - egal, wie schnell es ging und wie gut man das vorbereitet hatte. Im schlimmsten Fall hatte sich meine Tochter bis dahin in Rage geschrien, weil es eben nicht so schnell ging, wie sie es gebraucht hätte. Und ebenso nervig fand ich es, den ganzen Thermoskannen-Flaschen-Kram mit mir rumzuschleppen, wenn ich unterwegs war. Sicher eine sehr persönliche Sache, aber entspannter konnte ich das nie finden. Da half es auch nicht, dass mein Mann die Nächte im Wechsel mit mir übernommen hat. Das ist - zumindest bei mir- mit einem gestillten Baby wesentlich einfacher - aber das soll jetzt gar kein Stillplädoyer oder eine "Breast ist best"-Propaganda werden. Dazu bin ich selbst auch in den "Flaschenzeiten" viel zu oft schief angeschaut worden. Aber daraus - wie hier in einigen Kommentaren - ein doch sehr emotionales Hervorheben der vielen Vorteile der Flaschennahrung zu betreiben, hat mich doch sehr geärgert. Jeder so, wie er mag und kann.
    Melanie

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  42. Stillen oder nicht stillen.
    Das ist eine persönliche Entscheidung, die jede Frau für sich treffen muss, nur die Frau selber, sonst niemand.
    Ich habe meine 4 Söhne zwischen 9 und 11 Monate lang gestillt, weil ich das so wollte. Seltsamerweise gab es beim vierten Kind Probleme, ohne Stillberaterin hätte ich es damals nicht geschafft.
    Stillen oder nicht stillen sagt nichts darüber aus ob frau eine gute Mutter ist oder nicht.

    Jede Frau sollte das Recht haben ihren eigenen Weg zu gehen.
    herzliche Grüße Judika

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  43. Nachtrag:
    Beim vierten Kind hatte ich erstmals eine Hebamme, die mich nach der Entbindung zu Hause betreute. Der Hebamme fiel auf, dass mein Sohn nichts zunahm - die ersten drei Kinder habe ich nie gewogen -. Die Kinderärztin empfahl Flasche. Ich wollte aber stillen, da mit den ersten drei Söhnen gute Erfahrungen gemacht hatte. Die Hebamme schickte mich zur Stillberaterin, ich wußte vorher überhaupt nicht, dass es so etwas gibt, die Stillberaterin merkte dass bei unserem Sohn das Zungenbändchen zu kurz war, ein Kinderzahnarzt!!! löste das Zungenbändchen... weder im Krankenhaus noch bei der Kinderärztin war das aufgefallen.
    Du allein triffst die für Dich richtige Entscheidung.
    Judika

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  44. Gerade deinen Blog entdeckt und die schönen, schönen Kleider bewundert. Wollte dich schon zu den Favoriten hinzufügen und dann diesen Eintrag entdeckt. Himmel! Ist das schrecklich. Schlimm, schlimm, schlimm. Mütter wie du sind der Grund, warum ich meinen Job als Erzieherin am Liebsten an den Nagel hängen würde. Das Mütter so allumfassend unwissend und leichtsinnig mit der Gesundheit ihrer Kinder umgehen und dann auch noch in einer überzeugten Arroganz. Das macht einen völlig fertig. Zum Glück gibt es auch noch viele fantastische Mütter, die das Beste für ihr Kind wollen und sich nicht selbst an die erste Stelle stellen. Wer auch immer schrieb: "Stillen gehört zum Muttersein dazu. Wer nicht stillen will, sollte sich überlegen, ob man überhaupt ein Kind haben will oder es nicht besser lässt." , er/sie hat Recht. Kinder sind nun mal mehr als deine Accessoires. Die sollen nicht nur niedlich aussehen, die haben auch Rechte. Und du als Mutter hättest eigentlich ethisch und moralische Pflichten. (Zumindest in der Theorie) Erstaunlich, wie leicht das viele einfach wegwischen können. Zu deiner Frage: wir leben im 21.Jahrhundert. Da sollte man über die Notwendigkeit des Stillens wissen. Wissenschaftliche Bibliotheken sind frei zugänglich.

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    1. Was für ein selbstgerechtes Geschwafel. Dieser Kommentar zeigt nur allzu genau, dass M. mit ihrem Blogartikel in vielem Recht hat. Die anonyme Kommentatorin unterstellt, dass jemand der nicht stillt, verantwortungslos ist, die Kinder als "Accessoires" betrachtet, leichtsinnig mit der Gesundheit ihrer Kinder umgeht, nicht das "Beste für ihr Kind" will und die Rechte ihrer Kinder missachtet.

      Wenn hier etwas von "überzeugter Arroganz" strotzt, dann dieser anonyme Kommentar.

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  45. Eins noch: Angefeindet werden heutzutage eher Frauen, die ihre Verantwortung ernst nehmen. Berufsbedingt habe ich schon einige Mütter kennengelernt, die ihre Kinder bis zum 2. oder 3. Lebensjahr stillten und alle unabhängig voneinander mit extremen Anfeindungen diesbezüglich zu kämpfen hatten. (Und mit extrem meine ich auch extrem.) Während ich dutzende nichtstillende Mütter erlebte, die eben versuchten gegen das Stillen zu hetzen und gegen stillende Mütter intrigierten. Die Gesellschaft schreit nicht: "Was? Du stillst nicht?" Sondern eher: "Was? Du stillst? Gibt doch heute Plastikfläschchen!"

    Die Angefeindeten sind die Fürsorglichen, nicht die Pseudofeministen.

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  46. Ich glaube, über die wissenschaftlichen Aspekte muss gar nicht diskutiert werden. Kuhmilch ist für Kühe, Ziegenmilch für Ziegen, Affenmilch für Affen und Menschenmilch für Menschen optimiert. Meines Erachtens sollten also die Hersteller von Industriemilch belegen, dass ihre Produkte nicht schädlich sind und nicht umgekehrt.
    Die Argumentation der "Stilllobby" liest sich nach wie vor wie eine Rechtfertigung gegen die Werbeslogans der Nahrungsmittelindustrie in den 1970er Jahren. Das ist doch irgendwie bedenklich.

    Ich für meinen Teil bin froh, haben wir hier in Mitteleuropa die Wahl, wenn es mit dem Stillen nicht klappt oder wir nicht Stillen wollen. Wir haben hier wirklich gute Alternativen zur Muttermilch und wir haben sauberes Trinkwasser. Im Gegensatz dazu ist für den grössten Teil der Weltbevölkerung der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht gewährleistet. Und an diese Leute richtet sich ja auch hauptsächlich die Empfehlungen der WHO. Kunstmilch mit unsauberem Wasser angemacht kann dem Baby das Leben kosten!

    Wie weit man der Nahrungsmittelindustrie mit ihren Fertigprodukten trauen kann, haben wir ja erst neulich wieder erfahren mit diesem Pferdefleisch in der Lasagne. Ob man sich auf die Inhaltsangaben auf der Pulvermilch für Babys besser verlassen kann?

    Dass La Lèche Ligue als Verein zur Förderung des Stillens das Stillen fördert, kann man ihr irgendwie nicht vorwerfen, oder? Oder würdee ernsthaft jemand dem ADAC vorwerfen, dass er den Automobilverkehr fördert? Als Beraterinnen bei Still- und allgemeinen Laktationsfragen habe ich die LLL-Frauen als pragmatische, praxisorientierte, undogmatische Frauen kennengelernt, mit profundem Fachwissen, die einem als Mutter vollständig informieren, sämtliche Fragen zu beantworten versuchen - und die von den Eltern/Müttern getroffenen Entscheidungen akzeptieren und umzusetzen helfen.

    Frauen vom Typ "Missionarin" habe ich selbst eher bei Flaschenmüttern erlebt, die offensichtlich den unbedingten Drang verspürten, ihre eigenen individuellen Entscheidungen ihrer Umwelt aufzudrängen. Auch bei Fachleuten hätte ich jetzt nichts von diesem viel propagierten "Stillzwang" verspürt, wir selber, mein Mann und ich, verspürten Druck eher in die Gegenrichtung: Mein Sohn musste mehrere Monate im Krankenhaus verbringen und Stillen war nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Da hiess es meistens das sei doch viel zu kompliziert und wir sollten uns das doch nicht antun und sowieso würden wir dadurch die Arbeit des Pflegepersonals erschweren.

    Anyway, was ich eigentlich mit den vielen Worten sagen wollte: Die Entscheidung zu stillen oder nicht (und wie lange!) ist in unseren Breitengraden eine individuelle Entscheidung, die nur, und wirklich nur die betreffende Familie etwas angeht. Alle anderen haben sich rauszuhalten. Damit meine ich sowohl "Stillmisionarinnen" als auch "Antistillmissionarinnen", die vor allem beim Thema Langzeitstillen mit ihrer Meinung nicht zurückhalten. Toleranz ist keine Einbahnstrasse sondern muss in beide Richtungen funktionieren!

    P.S. Und wer bei Stillthemen inklusive Abstillen Hilfe benötigt, tut gut daran sich an eine Laktationsberaterin IBLC oder LLL zu wenden statt an Freundinnen und Bekannte, denn nur dort bekommt sie aktuelles Fachwissen. Und nur mit echtem Wissen kann man schlussendlich informierte Entscheidungen treffen.

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